Die Geschichte meiner Großeltern (mütterlicherseits)

Die Geschichte meiner Großeltern liegt nun als Buch vor (Privatdruck). Damit aber ist die Arbeit nicht beendet, sondern erst ein Zwischenschritt erreicht. Beglückend ist das Ergebnis allemal.

Geschichte meiner Großeltern
Ich habe die Geschichte meiner Großeltern aufgeschrieben und als Buch veröffentlicht. Es enthält Darstellungen, Erläuterungen und Berichte und ist im Privatdruck erschienen.

Nach langen Monaten der Arbeit – davon viel des Wartens – ist es endlich geschafft: Ich habe die Geschichte meiner Großeltern – der Familie meiner Mutter – als Buch veröffentlicht. Auf 130 Seiten bringe ich Texte, Dokumente, Landkarten und viele Fotos, die nicht nur die beiden zeigen, sondern auch Bekannte und die eigenen Kinder in jungen Jahren. Damit ist das Projekt natürlich nicht abgeschlossen – weil es nie abgeschlossen ist.

Das Buch gliedert sich in vier Teile: Im ersten Teil schildere ich die Lebenswege von Karl und Elisabeth, wie sie aus den nachgelassenen Unterlagen (Zeugnisse, Lebensläufe, Rentenantragsformulare, …) hervorgehen. Im zweiten, dem Hauptteil kommen die Kinder der beiden zu Wort; ich habe sie befragt und die Interviews niedergeschrieben. Außerdem hat ein Cousin, der die beiden näher kannte, seine Erinnerungen aufgeschrieben. Für den dritten Teil habe ich ein paar Texte über die Situation von Studenten in den zwanziger Jahren und die spezielle politische Situation geschrieben, in der die beiden gelebt haben. Der vierte Teil versammelt ein paar aus der Wikipedia übernommene Texte zu den Städten, in denen die beiden gewohnt haben, und andere Kleinigkeiten.

Der Kern der Publikation über die Geschichte meiner Großeltern sind die Interviews. Sie machen den größten Teil aus. Hier erzählen die Kinder von Karl und Elisabeth über ihre Kindheit und Jugend und geben manche Geschichten wieder, die sie von ihren Eltern erfahren haben. In der Zusammenschau dieser Berichte und der Dokumente, die mir zur Verfügung standen, ergibt sich ein faszinierendes Bild von einem Netzwerk einer Familie, das durch gemeinsam Erlebtes zusammengehalten wird, das aber individuell durchaus ganz unterschiedlich wahrgenommen wurde.

Die meiste Arbeit hatte ich natürlich mit den erläuternden Texten über das Studentenleben der zwanziger Jahre oder die politische Geschichte der Heimat meiner Großeltern. Hierfür habe ich Stunden um Stunden in der Staatsbibliothek verbracht und nach Literatur gesucht, zum Beispiel über die Deutsche Technische Hochschule in Prag, an der mein Großvater einst studierte. Diese Arbeit war in jedem Fall zeitraubend, auch wenn sie mir grundsätzlich – dank meiner Erfahrung – durchaus leicht fiel. Aber Schreiben ist ja immer schwer, und historische Sachtexte zu schreiben, ist noch viel schwerer.

Ebenfalls aufwendig war die Bearbeitung der Bilder. Ich habe aus der Verwandschaft viele Bilder erhalten. Einzelne Fotos zu digitalisieren, ist theoretisch eine einfach zu lösende Aufgabe, aber in der Praxis birgt sie natürlich Tücken. Die Datei darf am Ende beispielsweise weder zu groß noch zu kelin sein: Einerseits soll sie im Druck nicht verwaschen aussehen, was eine höhere Dichte an Bildpunkten erfordert, andererseits soll sie den Computer nicht überfordern. Und bei manchen Bildern war das Problem, dass sie bei den Eigentümern an einem weit entfernten Ort lagerten – und der Eigentümer nicht in der Lage war, sie ordentlich einzuscannen. Also mussten wir die wertvollen Fotos hin und wieder der guten alten Briefpost anvertrauen.

Als alle Texte beisammen und die Schwestern alle Texte der jeweils anderen erhalten und gutgeheißen hatten, musste ich Texte und Bilder für den Druck aufbereiten. Das heißt, dass ich mich für eine Reihenfolge entscheiden musste, in der die Texte über die Geschichte meiner Großeltern aufeinander folgen, und wie sie am besten bebildert werden. Dabei ergänzte ich die Fotos aus Familienbesitz um Fotos und Grafiken, die ich bei Wikipedia und anderen Quellen im Internet gefunden hatte. (Das ist legal, weil das Buch als Privatdruck erscheint und nicht veröffentlicht wird.) Zur Illustration war mir aber auch eine Grafik meines Großvaters über seine Berufsbiografie und die dabei erarbeiteten Rentenansprüche willkommen.

Hergestellt habe ich die Druckdatei mit einem professionellen Satzprogramm – ein Textverarbeitungsprogramm wie »Word« ist bei einem wertvollen Buch wie diesem nicht ausreichend. Bilder und Texte lassen sich viel flexibler und präziser plazieren, man sieht deutlich den Unterschied! Als Dienstleister für die Herstellung habe ich mich für Books on Demand entschieden; ich wollte ihn einfach mal ausprobieren und bin nicht enttäuscht worden. Besonders beeindruckt hat mich, wie präzise der Umschlag gestaltet werden kann; aber auch andere Details waren überzeugend. Daher werde ich auch beim nächsten Buch (über meine Großeltern väterlicherseits) wieder dafür entscheiden. Selbstverständlich gibt es auch Details zu bemängeln (zum Beispiel dass wichtige Informationen erst gegeben werden, wenn die Satzdatei gerade hochgeladen werden soll) und bei anderen Anbietern verschiedenes zu loben (zum Beispiel die große Auswahl an Formaten bei epubli). Aber für diese beiden Projekte war er ganz offensichtlich der richtige Dienstleister.

Ich habe zwei Mal ein Probeexemplar herstellen lassen. Im Moment werden die restlichen neun Exemplare gedruckt, die ich hernach an meine Interviewpartner verteilen werde. Sollte danach jemand aus der Familie ein Exemplar haben wollen, werde ich das natürlich ebenfalls bestellen. Ich bin gespannt, wie groß das Interesse an der Geschichte meiner Großeltern sein wird.

Damit bin ich am Ende einer längeren Wegstrecke angelangt – doch halt! Es handelt sich natürlich nur um das Ende einer Etappe. Der Weg ist noch lange nicht zu Ende, weil jetzt – hoffentlich – die Phase der Kommunikation beginnt, das heißt der gesprächsweisen Aneignung der Familiengeschichte, der Diskussion und des Gedenkens und vielleicht auch der Ergänzung dessen, was gedruckt vorliegt, durch weitere Fotos oder Berichte. Diese Phase hat im Grunde schon begonnen, denn just in den Tagen, als ich das Manuskript fertigstellte und zum Druck gab, erreichten mich weitere Informationen aus Archiven, die ich erst spät angeschrieben hatte. Das heißt: Die Arbeit an der Familiengeschichte hört nie auf. (Übrigens: Ich habe erfahren dürfen, dass nicht nur die Archive der Prager Universitäten sind Familienforschern sehr behilflich sind, sondern auch das tschechische Nationalarchiv und städtische Archive.)

Abschließend möchte ich folgendes bemerken: Erstens ist die Arbeit an der Geschichte meiner Großeltern sehr zeitaufwendig und arbeitsintensiv gewesen. Ich musste Interviews führen, sie abtippen und redigieren, in die Bibliothek gehen und lesen, lesen, lesen, mit Archiven korrespondieren und dort erscheinen und dergleichen mehr. Zweitens bedarf es eines langen Atems, Durchhaltenvermögen, um die Arbeit bis zum (vorläufigen) Abschluss zu bringen. Manchmal passiert über Wochen und Monate nichts, weil man auf die Auskunft eines Archivs warten muss. Die Berliner Wehrmachtsauskunftsstelle schoss hier denVogel ab: Sie ließ sich mit ihrer Antwort zwei Jahre Zeit. Wenn man aber durchgehalten und das Material zu einem Buch zusammengestellt hat, erkennt man, drittens, dass sich die Mühe lohnt. Man hat die Bande zur Verwandtschaft wieder gestärkt und hält ein Buch in Händen, das einzigartig ist.

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