Ein Museum für Bernd Rosemeyer

Ein Unternehmer plant die Errichtung eines Museums für die Rennfahrerlegende Bernd Rosemeyer in Lingen. Dagegen gibt es Widerstand, weil Rosemeyer seit 1933 Mitglied der SS gewesen war.

Bernd Rosemeyer, Elly Beinhorn, Ferdinand Porsche
Bernd Rosemeyer, Elly Beinhorn, Ferdinand Porsche. 1937. Foto: Bundesarchiv / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Am 28. Januar 1938 gegen viertel vor Zwölf setzte sich Bernd Rosemeyer erneut in seinen Rennwagen und machte sich bereit zum Start. »Ich will mich nur noch einmal rantasten«, erklärte er, ohne zu wissen, dass das seine letzten Worte sein würden. Es war der dritte Versuch an diesem Tag, einen neuen Geschwindigkeitsrekord auf der Reichsautobahn bei Darmstadt aufzustellen. Seine Freund und Konkurrent Rudolf Caracciola, der auf der Strecke Probleme mit gefährlichen Seitenwinden hatte, hatte ihn zwar gewarnt, doch Rosemeyer war ein Draufgänger.

Bei Kilometer 9,2 verlor er die Beherrschung über den Wagen. Es kam zu dem Unfall, bei dem er herausgeschleudert wurde und an einer Böschung liegenblieb. Er sah »friedlich [aus], als ob er nur ein wenig schliefe«, berichtete der hinzugeeilte Rennarzt. Doch Rosemeyer war tot, und der Motorsport hatte einen seiner Helden verloren.

Das Begräbnis auf dem Friedhof in Berln-Dahlem ähnelte einem Staatsakt. Rennfahrerkollegen trugen den Sarg, eine Kapelle spielte Beethoven, die »Leibstandarte SS Adolf Hitler« hielt eine Mahnwache. Rosemeyer war so populär, dass der »Führer und Reichskanzler« Adolf Hitler kondoldierte. Auch der »Reichsführer SS« Heinrich Himmler war sehr berührt, denn der Verstorbene war seit 1932 Mitglied seiner »Schutzstaffel«, der SS. Er sprach der Witwe, der berühmten Pilotin Elly Beinhorn, »mein und der gesamten Schutzstaffel herzlichstes Beileid« aus und verkündete: »Ein Motorsturm der SS wird für immer seinen Namen tragen.«

Man kann nicht sagen, dass Bernd Rosemeyer in der NS-Diktatur ein einfacher Mitläufer war. Denn er demonstrierte mit seinem frühen Beitritt zur SS, die nach dem Krieg als verbrecherische Organisation eingestuft wurde, seine überdurchschnittliche Loyalität und Zustimmung zu den Nazis. Er trat bei offiziellen Veranstaltungen außerdem in Uniform auf, was nicht »nötig« gewesen wäre, und sorgte damit für Aufsehen. Wenn Rosemeyer bloß um seine Karriere besorgt gewesen wäre, hätte der spätere Beitritt zum NS-Kraftfahrerkorps (NSKK) ausgereicht. Aber er wollte ganz offensichtlich dem NS-Staat zu Diensten sein. Ein Held war er schon zu Lebzeiten, und nach seinem Tod war er für die Propaganda von fast noch größerem Nutzen.

Rosemeyers Nähe zu den Nazis hat seiner Popularität nach dem Krieg nichts anhaben können. Noch heute gibt es unter anderem in seiner Heimatstadt Lingen (Emsland) und in Berlin Straßen, die nach ihm benannt wurden. Auch der Automobilkonzern Audi – dem Nachfolger von Rosemeyers Arbeitgeber Horch – erinnerte 2000 an ihn, indem er ein Projekt nach ihm benannte. Außerdem gibt es einen Motorsportclub Bernd Rosemeyer und die Bernd-Rosemeyer-Stiftung des Lingener Bauunternehmers Heinrich Liesen, der sich darum bemüht, dem berühmten Sohn der Stadt die Ehrenbürgerwürde zu verleihen. Rosemeyer sei kein Nazi gewesen, beteuert Liesen, und anstatt Uniform habe er bei offiziellen Anlässen Tiroler Tracht getragen.

Dass Liesen auch noch ein Bernd-Rosemeyer-Mueseum in Lingen errichten will, stößt nicht auf ungeteilte Zustimmung. Der Stadtrat hat sich gegen das Vorhaben ausgesprochen und gefordert, falls es dennoch umgesetzt wird, dafür zu sorgen, dass »alle persönlichen und politischen Facetten Bernd Rosemeyers, insbesondere seine SS-Mitgliedschaft, kritisch beleuchtet und wissenschaftlich fundiert darstellt« werden. Dafür hat Liesen den Historiker Bernd Walter engagiert, der die SS-Mitgliedschaft Rosemeyers und seine Nähe zum Nationalsozialismus ausdrücklich thematisieren will, was aber »immer Ausgangspunkt für weiterreichende Fragestellungen sein [wird], die sich aus den funktionalen Zusammenhängen zwischen dem Rennfahrer als Einzelperson, der Auto Union als Autoproduzent, dem NS-Staat und dem nationalen und internationalen Motorrennsport ergeben.«

Robert Kopp, der für eine unabhängige Liste im Stadtrat sitzt und Gegner eines Rosemeyer-Museums ist, sieht keine Chance, das Vorhaben zu verhindern. Das wissenschaftliche Problem, die Nähe Rosemeyers zum NS zu erfassen und gebührend im historischen Kontext zu verorten, interessiert ihn auch nur am Rande. Er hält eine andere Frage für wichtiger: »Für wen sollte man eigentlich ein Museum eröffnen?«

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