Neue NS-Gedenkstätte in Hamburgs »Stadthöfen«

In den »Stadthöfen« in Hamburg entsteht eine Einrichtung zum Gedenken an die Opfer von Polizei- und Gestapogewalt. Und eine Shopping Mall. Dagegen wird protestiert, über den international berichtet wird.

Stadthaus Hamburg
Das entkernte Stadthaus in Hamburg während des Umbaus 2015. Foto: Abubiju / Wikimedia Commons / CC0

In Hamburg entsteht bis zum Mai 2018 eine neue Gedenkstätte, die im ehemaligen Hamburger Gestapo-Hauptquartier und Polizeipräsidium im Gebäudekomplex Stadthausbrücke 4 und Neuer Wall 88, den »Stadthöfen«, untergebracht wird. Entwickelt wurde das Gelände von der Quantum Immobilien, die dort eine Shopping Mall errichtet und die sich im Kaufvertrag verpflichtet hat, dort für eine entsprechende Einrichtung zu sorgen.

Betreiber der Gedenkstätte soll eine Buchhandlung sein – und das und überhaupt das ganze Verfahren und die ganze Konzeption sorgt für Kritik. Vor allem der Bürgerschaftsabgeordnete Norbert Hackbusch bemängelt, dass die Bürger nicht ausreichend in die Planung einbezogen worden seien und dass eine Gedenkstätte an die Opfer des Nazi-Regimes von einem kommerziellen Unternehmen, nämlich einer ebenfalls dort gelegenen Buchhandlung, betrieben werden soll.

Die Stadt wehrt sich allerdings gegen die Vorwürfe und nimmt auch die Buchhandlung in Schutz. »Die Mieterin wird in der Kombination von Buchhandlung mit anspruchsvollem Sortiment sowie angrenzendem Begegnungs- und Literaturcafé die Ausstellung in einen lebendigen Erinnerungs-, Veranstaltungs- und Kommunikationsort einbetten«, lässt die Behörde für Kultur und Medien wissen.

An dem neuen Gedenkort, der 70 Jahre nach dem Krieg recht spät eingerichtet wird, wird die KZ-Gedenkstätte Neuengamme in Zusammenarbeit mit der Stadt Hamburg eine Ausstellung zur Geschichte von Verfolgung und Widerstand im nationalsozialistischen Hamburg einrichten. Einer Zusammenarbeit mit Bürgern steht man offen gegenüber: »Wir laden alle Kultur- und Forschungsinstitutionen, Geschichtswerkstätten, Verbände und Initiativen dazu ein, daran mitzuwirken, dass die grausame Vergangenheit des Gebäudes angemessen dargestellt wird«, sagte Kultursenator Carsten Brosda.

Um sich noch einmal in Erinnerung zu bringen, hat man letzte Woche gemeinsam mit Nachfahren der Gestapo- und Polizeiopfer am künftigen Gedenkort demonstriert. »Kommerz statt Gedenken? Niemals!«, lautete das Motto der Demo, über die sogar der britische Guardian berichtete. Dabei machten die Demonstranten auch auf das geschmiedete Eingangstor aufmerksam, das trotz der fröhlichen Begrüßung mit »Bienvenue – Moin, Moin – Stadthof« beklemmend an den Einganz zum KZ Auschwitz und seinem Spruch »Arbeit macht frei« erinnere.

Es ist bemerkenswert, dass sogar ausländische Zeitungen über den Fall berichten, der ansonsten eigentlich nicht über die Grenzen Hamburgs hinaus bekanntgeworden ist. Doch entspricht alles, was berichtet wird, den Tatsachen? Ist es wahr: Die »Proteste nehmen zu«, wie Sputnik News vermelden? Davon kann nicht die Rede sein, denn es wird in eigentlich jedem Artikel der Linken-Bürgerschaftsabgeordnete Norbert Hackbusch zitiert.

Was Hackbusch kritisiert, ist die Verbindung von gewinnorientierter Verwertung der Liegenschaft in hervorragender Lage und der Erinnerung an Verbrechen in der NS-Zeit. Er fordert, dass deutlich erkennbar sein müsse, dass hier in der NS-Zeit Gefangene misshandelt wurden. Das aber steht schon auf einer Gedenktafel an der Hauswand. Die regionale Ausgabe der Berliner Tageszeitung taz bringt das Problem auf den Punkt und fragt: »Aber was heißt angemessen?« Es sieht so aus, als hätten die Hamburger diese Frage schon beantwortet, während Hackbusch und seine Mitstreiter noch damit hadern.

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