Wenn arabischer auf deutschen Antisemitismus trifft

Sollten arabische Zuwanderer verpflichtet werden, eine KZ-Gedenkstätte zu besuchen? Warum nicht, meint Ulrich W. Sahm. Er sagt: Deutscher und arabischer Antisemitismus sind miteinander verwandt.

KZ Sachsenhausen
Foto: Travelinho / flickr.com / CC BY-SA 2.0

Soll man jeden, der nach Deutschland einwandert, dazu verpflichten, mindestens einmal ein ehemaliges Konzentrationslager zu besuchen, damit ihm der Genozid an den europäischen Juden plastisch vor Augen gführt wird? Und sollte das gerade bei Einwanderern aus arabischen Ländern geschehen, wo Antisemitismus weitverbreitet ist? Diesen Vorschlag hat unlängst die Berliner Politikerin Sawsan Chebli gemacht und dafür teils harsche Kritik geerntet.

Der Journalist Ulrich W. Sahm nimmt Chebli allerdings in Schutz. Den Einwand, dass Pflichtbesuche wenig bewirken, weil sie Widerstand erzeugen würden, lässt er nicht gelten. Dann müssten doch auch verpflichtende Sprachkurse Abwehr hervorrufen – was wohl möglich, aber zwecklos sei. Überhaupt hätten Migranten schon mehr Kontakt und Fühlung mit der deutschen Geschichte als gemeinhin angenommen.

Vor allem aber ist Sahm der Ansicht, dass speziell der arabische Antisemitismus, der mit der Zuwanderung aus der arabischen Welt in Deutschland stärker wird, mehr mit Deutschland zu tun hat als vielen bewusst sei. Der Mufti von Jerusalem, Hadsch el Amin Husseini, habe in den vierziger Jahren Asyl bei Hitler in Berlin gefunden und dort die nazistischen Stereotype über die Juden kennengelernt: Bis heute würden in der arabischen Welt die Juden so gezeichnet »wie die Nazis die Ostjuden im Stürmer gezeichnet haben.«

Sahm schreibt: »Bei einem Besuch von jungen Deutschen und Migrantenkindern in Auschwitz oder anderen ehemaligen KZ-Lagern sollte daher genau diese Vergangenheit intensiv aufgearbeitet werden. Dann könnten auch Jugendliche mit arabischen Wurzeln erkennen, dass sie mit Deutschland mehr gemein haben, als vielen bewusst ist. Im Rahmen der von Deutschen so intensiv betriebenen ›Vergangenheitsbewältigung‹ wäre das vielleicht eine durchaus gesunde Methode, Migranten aus der arabischen Welt an diesem Projekt zu beteiligen.«

Der islamische Antisemitismus sei in der Verfallszeit des Osmanischen Reiches nach dem Vorderen Orient gekommen und habe der Unterdrückung von Minderheiten einen theoretischen Rahmen gegeben, schreibt Sahm. Diese Verbindung sieht er aber durchaus als eine Chance, weil damit die Basis für ein Gespräch über den Holocaust ebenso wie über den aktuellen Nahost-Konflikt gegeben sei, bei der etwa auch die Vertreibung von Juden aus arabischen Staaten thematisiert werden könne.

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