Polen: Kontroverse um neue Straßennamen

Kommunisten soll in Polen im öffentlichen Raum nicht mehr gedacht werden, Straßnnamen deshalb geändert werden. Obwohl das Gesetz einhellig verabschiedet wurde, stößt man vor Ort auf Widerstand.

Foto: Ana Ulin / flickr.com / CC BY-SA 2.0

In Polen werden auf Betreiben der Regierung zahlreiche Straßennamen im ganzen Land geändert. Betroffen sind vor allem Personen und Ereignisse aus der kommunistischen Zeit, insbesondere Kommunisten, Sowjetbürger oder Ereignisse, die an die Sowjetunion erinnern. Die Regierung nimmt sich der Angelegenheit selber an, weil viele eigentlich zuständigen Städte und Gemeinden sie nur zögerlich oder gar nicht angehen.

In Sosnowiec zum Beispiel soll das Edward-Gierek-Rondell nach dem Dombrowaer Kohlebecken benannt werden. Gierek war 1970 bis 1980 Chef der kommunistischen Partei Polens. Oder in Warschau, wo nicht mehr Józef Lewartowskis gedacht wird, sondern Marek Edelmans – beides Kämpfer gegen die deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg, doch der eine, dessen Name weichen muss, ein Kommunist, der andere nicht.

Umgesetzt werden soll das 2016 verabschiedete Gesetz zur »Dekommunisierung«, mit dem »Personen, Organisationen, Ereignisse oder Symbole des repressiven, autoritären und nicht souveränen Regierungssystems in Polen in den Jahren 1944-1989« aus dem Straßenbild entfernt werden sollen. Das »Institut für nationales Gedenken« hat eine Liste mit Namen erarbeitet, die geändert werden sollen.

Das Zögern vieler Städte und Gemeinden ist ein Indiz dafür, dass die Umbenennung nicht unumstritten ist. Offensichtlich ist jedenfalls, dass historische Persönlichkeiten oft nicht in einer eindeutigen Weise gewirkt haben beziehungsweise dass ihre Würdigung oder Neubewertung nicht wie von der Regierung gewünscht einfach »abgehakt« werden kann. Der Maßstab für eine Entscheidung wird nicht immer erkennbar, was dann zu Widerspruch führt. Und manchmal geht es vor Ort einfach nur um den Aufwand, der damit verbunden ist, und die Kosten.

Beispielsweise soll auch Jarosław Dąbrowski nicht mehr geehrt werden. Der kämpfte im Spanischen Bürgerkrieg gegen den vom Hitler und Mussolini unterstützten Franco, bloß war er ein Kommunist. Wird man seiner Person gerecht, wenn man diesen Umstand zum ausschlaggebenden Krieterium macht? Und ist es wirklich angebracht, den bei einem Flugzeugabsturz 2010 ums Leben gekommenen Lech Kaczyński, dessen Zwillingsbruder Jarosław heute eine wichtige Funktion in der polnischen Politik ausübt, so häufig zu würdigen wie geplant?

Auch Bürger wehren sich gegen die »von oben« verordneten Umbenennungen, wobei auch Vertreter der oppositionellen Bürgerplattform (PO), die dem Gesetz zugestimmt hatte, ihre Stimme erheben. Marek Wojcik etwa will den Namen von Jerzy Zietek erhalten: »Er war auf der einen Seite ein Apparatschik, auf der anderen Seite wird er in Oberschlesien heute noch geachtet. Viele wichtige Gebäude sind dank seines Engagements entstanden; er galt als hochanständiger Mensch.«

Die »Dekommunisierung« des Straßenbildes ist Symbolpolitik – wodurch sie aber nicht weniger kontrovers ist. Es geht der Regierung darum, mit der kommunistischen Vergangenheit nun im Straßenbild zu brechen, vor allem, weil das nach der Wende von 1989/90 nicht vollständig gelungen ist. »Das können wir nun zumindest in Bezug auf die Symbole im öffentlichen Raum nachholen«, meint daher Senator Jan Zaryn von der PiS.

Polen hat vierzig Jahre unter dem Joch der Sowjetunion gestanden, weshalb die symbolische Abkehr von den Unterdrückern nachvollziehbar ist. Insofern erscheint das Ziel richtig, es mit der »Brechstange« durchsetzen zu wollen, allerdings wenig aussichtsreich. Geschichte lässt sich nicht mit einem Federstrich entsorgen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.