Die Geschichte von Lety ist (noch) kaum bekannt

Im tschechischen Lety stand 1943/43 ein KZ, dessen Vergangenheit im Lande so gut wie unbekannt ist. Doch in kleinen Schritten und bei internationaler Aufmerksamkeit sich ändert das gerade.

Modell des KZ Lety. Foto: Juandev / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0 (Ausschnitt)

Die Schwierigkeiten der Tschechen, in angemessener Weise der Opfer des »Zigeunerlagers« in Lety zu gedenken, findet auch Beachtung im Ausland. Zu der alljährlich von Komitee für die Wiedergutmachung des Holocausts an den Roma veranstalteten Gedenkfeier finden sich immer wieder Btschafter ein, zum Beispiel aus den USA, Russland, Indien, Israel, Deutschland und anderen europäischen Ländern. Auch Mitglieder des Europäischen Parlaments interessieren sich für diesen Ort und was hier geschehen ist.

In dem Lager in der Nähe des Ortes Lety waren 1942 und 1943 Sinti und Roma inhaftiert und zur Arbeit zwangsverpflichtet. Aber eigentlich ging es darum, sie an Hunger, Krankheiten und anderen Entbehrungen zugrundegehen zu lassen, weil sie »Zigeuner« waren. Wer nicht in dem Lager starb, wurde 1943, als es aufgelöst wurde, ins Vernichtungslager Auschwitz gebracht und dort ermordet.

Errichtet wurde das Lager unter deutscher Herrschaft; es war Bestandteil der auf Genozid aufbauenden Neuordnung Europas. Betrieben wurde es aber von Tschechen – und dieser Umstand macht die Erinnerung so schwer, zumal auch nach dem Krieg nicht zu einem sensiblen Umgang mit dem Ort gefunden wurde. Während der kommunistischen Herrschaft wurde auf dem Gelände eine Schweinemastanlage errichtet, deren Abriss erst jetzt beschlossen worden ist.

Es überrascht daher wohl nicht, dass ausgerechnet die Vertreter einer kommunistischen und einer faschistischen Partei sich gegen den Kauf der Anlage durch den tschechischen Staat zwecks Verlegung des Betriebes ausgesprochen haben. Sie können mit ihren Thesen – zum Beispiel der, dass es sich bei dem Lager um ein »Arbeitslager« gehandelt habe – aber nur durchdringen, weil man mehrheitlich über die Geschichte des Ortes nichts oder nur wenig weiß und daher zur Urteilsbildung schwerlich in der Lage ist.

Auf die Leugnung der Tatsachen durch die Extremisten fand Kulturminister Daniel Herman die richtigen Worte: »Kein Wunder, schließlich haben die Faschisten das Roma-Konzentrationslager errichtet und die Kommunisten an derselben Stelle eine Schweinefarm errichtet.«

Glücklicherweise hat man seit der Eröffnung einer kleinen Gedenkstätte 1995 damit begonnen, die Geschichte des Lagers zu erforschen und in den internationalen Zusammenhang einzuordnen. Der Indolenz und Desinteressiertheit in Regierung, Parlament und Bevölkerung versucht man mit vielen kleinen Aktionen – zum Beispiel einer entsprechenden parlamentarischen Anfrage an die Regierung – anzugehen. Dabei geht es in kleinen Schritten voran, und wenn die Erfolge bis jetzt auch bescheiden sind, so zeigen sie, dass sich auch hier etwas ändern kann.

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