Crowdfunding ermöglicht Erforschung von »Höhe 80«

Ein Forschertrio hat über das Internet 180.000 Euro eingeworben. Damit will es ein Schlachtfeld des Ersten Weltkriegs, »Höhe 80«, untersuchen. Crowdfunding bietet zur Projektfinanzierung interessante Möglichkeiten.

Helme
Foto: BrokenSphere / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0 (Ausschnitt)

Am Wochenende ist eine ungewöhnliche Crowdfunding-Kampagne – also der über das Internet verbreiteten Bitte um Unterstützung eines Vorhabens – erfolgreich zu Ende gegangen: Simon Verdegem, Peter Doyle und Robin Schäfer ist es gelungen, knapp 180.000 Euro für ihr Projekt im belgischen Wijtschate (Wytschaete) einzuwerben. Sie wollen damit den letzten unerforschten Flecken Erde des Ersten Weltkriegs untersuchen, bevor 2018 auf dem Gelände, das »Höhe 80« genannt wurde, ein Wohngebiet errichtet wird.

Hier, auf Höhe 80, verloren im Ersten Weltkrieg tausende bayerischer Soldaten ihr Leben, weil die Heeresleitung sie wegen ihrer strategisch wichtigen Lage unbedingt besetzten wollte. Der Blutzoll, den die Soldaten errichten mussten, war ähnlich hoch wie in Langemarck, das von preußischer Seite zum nationalen Mythos erkoren wurde; Wijtschate hatte für Bayern eine ähnliche Bdeutung, ohne ins kollektive Gedächtnis Nachkriegsbayerns eingegangen zu sein.

Anders als andere Schlachtenorte des Ersten Weltkriegs hat man das Schlachtfeld auf Höhe 80 einfach eingeebnet, weshalb es gänzlich unerforscht geblieben ist. Daher nehmen die »battlefield experts« an, dass hier neben sterblichen Überresten der Soldaten zahlreiche kriegsgeschichtliche relevante Artefakte zu finden sind. Das Grabungsprojekt hat daher zwei Ziele: die würdige Bestattung der Kriegstoten und die Erforschung des deutschen Festungsbauwesens vor hundert Jahren.

Warum sich das Forscherteam aus Belgien, Großbritannien und Deutschland für den ungewöhnlichen Weg der Finanzierung des Projekts per Crowdfunding entschieden hat, geht aus der Beschreibung ihres Projekts bei der Crowdfunding-Plattform Kickstarter nicht hervor. Dort steht nur, dass eine Grabung von dieser Größe erhebliche Geldmittel erfordert. Allerdings ist eine Begründung eigentlich auch gar nicht nötig, denn das Trio gehört zu den Außenseitern unter den Archäologen und Historikern, die abseits von universitären Strukturen forschen und denen die klassischen Finanzierungsmöglichkeiten verwehrt sind.

Verdegem, Doyle und Schäfer haben mit ihrer Kampagne gezeigt, welche Möglichkeiten das Internet zur Finanzierung von Projekten bietet, die von Forschern durchgeführt werden, die nicht in etablierten Forschungseinrichtungen arbeiten. Ich darf an dieser Stelle darauf aufmerksam machen, dass auch ich vor kurzem eine Crowdfunding-Kampagne erfolgreich durchgeführt habe: Ich habe auf der Plattform Startnext Geld zum Druck eines Buches (meine Biografie über Walter Linse) eingeworben – eine interessante und wichtige Erfahrung.

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