In Spandau wird eine Hakenkreuz-Glocke abgehängt

In der evangelischen Wichernkirche in Berlin-Spandau wurde eine Hakenkreuz-Glocke von 1934 außer Betrieb genommen. In katholischen Kirchen stellt sich das Problem in dieser Form nicht.

Hakenfelde Wicherngemeinde
Die Wichernkirche in Berlin-Spandau (Hakenfelde). Foto: Sebastian Rittau / Wikimedia Commons / CC-BY 4.0

Die Diskussion über die Hakenkreuz-Glocke im pfälzischen Herxheim hat hohe Wellen geschlagen, die immer noch nicht abgeebbt sind. Ist es zumutbar, ist es – auf eine gewisse Weise – »erlaubt«, Glocken, in die NS-Symbole oder Aussprüche Adolf Hitlers eingraviert sind, in kirchlichem und liturgischen Gebrauch zu belassen? Oder muss man sie angesichts der Konnotationen entfernen und musealisieren oder gar einschmelzen?

Nachdem eine Reihe von evangelischen Kirchengemeinden – die katholischen scheinen von dem Problem nicht betroffen zu sein – sich ihrer historischen Altlast erinnert haben oder ihr durch eine Beschau ihrer Glocken gewahr wurden, hat nun die Wicherngemeinde im Berliner Bezirk Spandau beschlossen, ihre Glocke, deren Gravur seit langem bekannt ist, nicht mehr zu läuten.

Hier, in der Wicherngemeinde in Hakenfelde, vollzieht man mit dem jüngsten Beschluss eine Wende um 180 Grad, denn erst im Frühjahr hatte man beschlossen, nicht nur für liturgische Zwecke zu läuten, sondern auch mehrmals am Tag die Zeit anzuzeigen. Jetzt aber sagt man: »Die Glocke schweigt auch wider das Vergessen und zur Mahnung, dass unsere Stimmen nicht schweigen dürfen, wenn nationalsozialistisches Gedankengut wieder öffentlich und politisch toleriert wird.« Eine andere, gebrauchte Glocke ist inzwischen beschafft.

Dass die Glocke ein Hakenkreuz »ziert«, war vor Ort schon längst bekannt. Die Kirche wurde 1932 eingeweiht, die Glocke 1934 in Betrieb genommen. In dieser Gemeinde war man in den dreißiger Jahren über den Nationalsozialismus offensichtlich tief gespalten. Anhänger der »Bekennenden Kirche« und nationalsozialistische »Deutsche Christen« bildeten zwei Lager, wobei sich das der Nazis durchsetzte: An der Kirche wurde eine »Hitler-Eiche« gepflanzt, und zu Festtagen wehten auch Hakenkreuzfahnen.

Das war der Gemeinde schon lange bekannt, und auch eine Veröffentlichung dazu liegt bereits vor. Die Entscheidung zum Abhängen der nämlichen Glocke kam nach der Diskussion über die in Herxheim und nach einem Schreiben der Landeskirchenleitung, die ihre Mitgliedsgemeinden per Rundschreiben auf die besondere Bedeutung des Problems aufmerksam machte: »Es handelt sich bei solchen Glocken oder anderen liturgischen Geräten um Geschichtsdokumente, die für den aktuellen Gebrauch im kirchlichen Leben nicht tragbar sind.«

Im katholischen Erzbistum Berlin hat man sich nach der Diskussion um Herxheim nicht an die Gemeinden gewandet. Denn man nimmt an, dass sämtliche Glocken im Sprengel keine NS-Bezüge aufweisen. Nach Angaben des Pressesprechers sind viele Glocken seinerzeit beschlagnahmt und eingeschmolzen worden. Er weist auf den Umgang der Kirchengemeinde Herz Jesu in Berlin-Prenzlauer Berg mit einem antisemitischen Wandbild hin, das vor 1933 entstanden ist. Das sei durch eine Hinweistafel erläutert worden und damit kontextualisiert worden.

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