Vor 70 Jahren: das Massaker von Nanking

In Nanking verübten vor 70 Jahren Japanische Soldaten ein furchtbares Massaker. Dieses Kriegsverbrechen spielte für China nicht immer eine bedeutende Rolle. Das hat sich heute geändert.

Nanking Massaker
Foto: taylorandayumi / flickr.com / CC BY 2.0 (Ausschnitt)

Eines der schrecklichsten Kriegsverbrechen des 20. Jahrhunderts jährt sich dieser Tage zum 70. Mal. Anders, als man vielleicht spontan vermutet, geschah es nicht im Zweiten Weltkrieg und wurde auch nicht von Deutschen verübt. Sondern die Täter waren japanische Soldaten, die nach der Einnahme der chinesischen Stadt Nanking bis zu 300.000 Menschen ermordeten. Vor wenigen Tagen, am 13. Dezember, hielt die Volksrepublik um 10 Uhr kurz inne, um an das Massaker zu erinnern.

Als Deutschland 1939 Polen überfiel, befanden sich Japan und China schon seit zwei Jahren im Krieg. Japan war erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts aus langer, selbstgewählter Isolation herausgetreten und hatte eine gewaltige Modernisierung erlebt. Aber diese Modernisierung ging mit einem Imperialismus einher, der dem europäischen in nichts nachstand. Japan überfiel Korea und China und errichtete in Fernost ein Kolonialreich.

Der Zweite Japanisch-Chinesische Krieg begann am 7. Juli 1937, und am 12. Dezember desselben Jahres stand die japanische Armee vor der Hauptstadt Nanking, aus der Zivilisten ebenso flüchteten wie Soldaten. Die Stadt wurde von den chinesischen Truppen aufgegeben und am 13. Dezember von japanischen besetzt. Dann begannen die Grausamkeiten, die schwer vorstellbar sind, aber von niemandem bestritten werden, auch wenn über die Zahl der Opfer keine Einigkeit besteht.

Besonders bemerkenswert ist, dass die wenigen verbliebenen Ausländer eine rund vier Quadratkilometer große Zone errichteten, in der die Chinesen vor den Angreifern in Sicherheit waren. Hier spielte der deutsche Kaufmann John Rabe eine bedeutende Rolle. Er war NSDAP-Mitglied, wollte aber den Verbrechen der mit dem Deutschen Reich verbündeten Japaner nicht tatenlos zusehen. Also hisste er Hakenkreuzflaggen und versuchte, mit der Autorität seiner Person Einfluss auf das Geschehen zu nehmen.

Die Frage zu erörtern, wie viele Opfer das Massaker forderte, gehört zu den Versuchen, das Geschehene irgendwie zu fassen – und ist natürlich Teil der gegenwärtigen geschichtspolitischen Auseinandersetzungen. Die haben allerdings erst erstaunlich spät begonnen; obwohl die beteiligten japanischen Soldaten ganz offen über ihre Gereultaten berichteten und in Japan seit den siebziger Jahren heftig darüber debattiert wird, setzte auf chinesischer Seite die Beschäftigung mit dem Verbrechen erst spät ein. Über die Gründe dafür wird spekuliert.

Inzwischen aber spielt das Massaker von Nanking im öffentlichen Bewusstsein Chinas eine ihm angemessene große Rolle. Und es beeinflusst die Politik Chinas gegenüber seinem großen Nachbarland: Systematisch wird die Erinnerung an das Ereignis bemüht, um Japan auf außenpolitischer Ebene unter Druck zu setzen. Das geht inzwischen so weit, dass sich Diplomaten unbeteiligter Drittstaaten, welchen Zweck die chinesische Regierung mit dieser Konfrontationsstrategie verfolgt.

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