Gestohlene Stolpersteine in Berlin werden ersetzt

Vor einem Monat haben Unbekannte 16 »Stolpersteine« in der Berliner Hufeisensiedlung entwedet. Doch sie werden peu à peu ersetzt. Den Anfang machte jetzt die Neuverlegung der Tafel für Stanislaw Kubicki.

Stolperstein Stanislaw Kubicki
Foto: OTFW / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0 (Ausschnitt)

Vor rund vier Wochen hat man im Berliner Bezirk Neukölln eine bestürzende Entdeckung gemacht: Insgesamt 16 »Stolpersteine« wurden aus dem Straßenbelag gerissen und entwendet, bei vier weiteren konnten die Diebe ihr Werk nicht vollenden. Diese Steine wurden nur gelockert. Die Empörung war groß, aber der Wille, sich diese »Schändung von Menschen, die schon einmal Opfer geworden sind«, wie es Kulturstadtrat Jan-Christopher Rämer ausdrückte, nicht bieten zu lassen, war größer.

Jetzt ist der ersten der entwendeten Stolpersteine ersetzt worden. Er erinnert an Stanislaw Kubicki, der 1942 von der Gestapo in einem Warschauer Gefängnis ermordet worden ist. Der polnischstämmige Kubicki floh 1934 nach Polen, wo er sich 1939 dem Widerstand anschloss. Da er einen deutschen Pass hatte, konnte er sich relativ frei bewegen und Nachrichten oder Geld überbringen. 1941 wurde er verhaftet. Sein Sohn Stanislaw Karol war in Berlin geblieben. Er nahm an der kleinen Gedenkfeier anlässlich der neuerlichen Verlegung des Stolpersteins teil.

Dass auf dem Stolperstein versehentlich ein falsches Todesdatum verzeichnet ist, wird der Eile zugeschreiben, mit der der Stein erneuert wurde. Da aber insgesamt 11.000 Euro an Spenden zur Wiederherstellung eingegangen ind, wird die Korrektur nicht an Geldmangel scheitern.

Über die Motive der Täter herrscht keine Klarheit. Die Stolpersteine in der Hufeisensiedlung gedenken vor allem Menschen, die Widerstand gegen das NS-Regime geleistet haben. Die größere Zahl der insgesamt 7.000 in Berlin verlegten Kleinstdenkmale erinnern an Juden, die von Berlin aus in Konzentrationslager deportiert und dort ermordet wurden. Was könnte jemanden dazu bewegen, die Messingtafeln herauszureißen? Die Vermutung liegt nahe, dass es sich um Rechtsextremisten handelt, denen diese Form des Erinnerns ein Gereul ist. Oder lockte die Diebe etwa der Wert des verarbeiteten Metalls?

Die große Anteilnahme an dem Fall in Neukölln und das große Spendenaufkommen zeigen, dass die Stolpersteine von vielen Menschen als wichtige Zeichen im öffentlichen Straßenraum wahrgenommen werden. Damit hat sich die Idee von Gunter Demnigs als eine echte Erfolgsgeschichte entpuppt. Als der 1996 zum ersten Mal zur Tat schritt, lag eine Genehmigung nicht vor, aber inzwischen beteiligen sich viele Anwohner und Geschichtsinteressierte an dieser Form der Erinnerung. Nur in München hat die Stadt ein eigenes Konzept entwickelt; die Verlegung von Stolpersteinen wird dort nicht unterstützt.

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