Initiative will Denkmal für polnische Opfer deutscher Besatzung

Wie grausam die deutsche Besatzung in Polen 1939-45 war, ist heute kaum mehr bekannt. Deshalb fordert eine Initiative die Errichtung eines Denkmals für polnische Opfer in Berlin. Doch es gibt auch Widerspruch.

Askanischer Platz Berlin
Das Deutschlandhaus am Askanischen Platz in Berlin. Foto: Tonythepixel / Wikimedia Commons / Gemeinfrei

Eine Initiative von Politikern, Publizisten und Professoren hat die Errichtung eines Denkmals für polnische Opfer der deutschen Besatzung 1939-45 in Berlin-Mitte gefordert. In ihrem Aufruf, den sie letzte Woche veröffentlichten, weisen sie auf die in Deutschland wenig bekannten Verbrechen hin, die von Deutschen in Polen verübt wurden, und schlagen vor, das Denkmal am Askanischen Platz im Stadtteil Kreuzberg, also zentral und darüber hinaus vis-à-vis des geplanten Dokumentationszentrum der Bundesstiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung am selben Ort aufzustellen.

In ihrer Begründung berufen sich die Initiatoren auf den 2015 verstorbenen Władysław Bartoszewski, der erst Widerstand gegen die deutschen Besatzer leistete, weshalb er in Auschwitz inhaftiert wurde, und dann gegen die sowjetisierung Polens nach dem Krieg und deshalb erneut inhaftiert wurde. Schließlich wurde er als Bürgerrechtler und Solidarność-Mitglied 1981 erneut eingesperrt. Bartoszewski war eine bedeutende Figur der deutsch-polnischen Annäherung und Versöhnung nach dem Krieg, dem das Denkmal, wie es heißt, »ein Herzensanliegen« gewesen sei.

Die Initiative möchte, dass das Denkmal – »ein in die Höhe strebendes, weithin sichtbares Gedenkzeichen in der politisch-symbolischen Mitte der deutschen Hauptstadt« – sich einfügt in die Berliner Erinnerungslandschaft und durch den vorgeschlagenen Standort gleichzeitig einen weiteren erinnerungspolitischen Streit befrieden hilft: den um die Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten. Mit dem Denkmal würde ein Zeichen gesetzt, »das Krieg, Vernichtung, Flucht, Vertreibung und Versöhnung in den untrennbaren Zusammenhang von Ursache und Wirkung stellt« und dabei helfe, zu »einer fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen Deutschen und Polen in der historischen Aufarbeitung des Krieges und seiner Folgen« zu gelangen.

Das Anliegen der Initiatoren eines neuen Denkmals ist plausibel. Dennoch gibt es Einwände, von denen zwei allerdings leicht zu entkräften sind: Erstens wurde zwar schon 1972 im Volkspark Friedrichshain ein »Denkmal des polnischen Soldaten und des deutschen Antifaschisten« errichtet, das allerdings klar den Leitlinien kommunistischer Geschichtsauffassung folgt und insofern nicht nur für Polen, die kaum minder unter sowjetrussischer Besatzung gelitten haben, schwerlich zu akzeptieren ist. Zweitens dürften sich die Initiatoren kaum von den aktuellen Entwicklungen der polnischen Politik beinflusst haben lassen, wie manchmal gemutmaßt wird.

Schwerer wiegen grundsätzliche Bedenken, die Markus Meckel, der letzte Außenminister der DDR, formuliert: »Ein solches Denkmal wäre der Beginn, die Millionen Opfer des Vernichtungskrieges im Osten nach Nationen getrennt zu ehren – und das kann ich nicht für sinnvoll halten. Ich wage vorherzusagen, dass dann mit nicht weniger Recht auch für die ukrainischen, belarussischen, russischen und weiteren Opfer Denkmale errichtet werden müssten.« Er plädiert dafür, an der Stelle des Friedrichshainer Denkmals einen neuen Gedenkort zu errichten, der den Beitrag der Polen zur deutschen Freiheits- und Demokratiegeschichte thematisiert, für das er hinreichende Anhaltspunkte sieht.

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