Die Biografin Maren Gottschalk berichtet von ihrer Arbeit

Sechs Biografien hat Maren Gottschalk bis jetzt geschrieben. Es waren für sie beeindruckende Annäherungen an bedeutende Persönlichkeiten. Ich kann ihre Begeisterung nachvollziehen.

Die Autorin, Journalistin und Historikerin Maren Gottschalk
Maren Gottschalk. Foto: Sandy Craus / fotografieonair

Die Autorin, Journalistin und Historikerin Maren Gottschalk hat bis jetzt sechs Biografien bedeutender Persönlichkeiten vorgelegt. Nelson Mandela, Pablo Neruda, Astrid Lindgren, Frida Kahlo, Sophie Scholl und Andy Warhol wurden von ihr porträtiert. In einem Interview mit dem Deutschlandfunk gibt sie Auskunft über das Schreiben von Biografien: was sie daran fasziniert, vor welchen Herausforderungen sie steht und was die Arbeit mit ihr macht.

Als Historikerin bleibt Gottschalk bei ihren Darstellungen immer nüchtern. Aber sie ist neugierig auf die Person, die sie nicht verurteilen will, weil sie ihre Schwächen ebenso kennt wie ihre Stärken. »Es ist ein bisschen wie mit Verwandten: Man interessiert sich für sie, man lernt sie sehr gut kennen, man findet bewunderungswürdige Dinge, aber auch Sachen, die einen nerven, die man aber hinnehmen muss. Man muss sich immer wieder an die Person heranwagen.«

Zum Teil schreibt sie die Biografien auf Anfrage ihres Hausverlages Beltz & Gelberg, zum Teil gelingt es ihr, den Verlag für eine Wunschbiografie zu begeistern. Wenn die Entscheidung gefallen ist, recherchiert sie erst am Schreibtisch, wo sie alles liest, was es über die Person zu lesen gibt. Doch irgendwann ändert sich die Arbeitsweise: »Dann muss ich vom Schreibtisch weg, muss Orte sehen, die mit den Personen zu tun haben«, erzählt sie. »Orte, wo sie gelebt haben, gespielt haben. Häuser. Menschen, die die Personen gekannt haben.«

Nach ungefähr drei Jahren Arbeit ist ein neues Buch fertig. Und dann erhält sie den Lohn für die Mühe: »Es ist mir sehr wichtig als Journalistin, den Menschen klar zu machen, was an der Geschichte für uns heute wichtig ist, den aktuellen Bezug herzustellen. Es ist mir als Autorin wichtig, schön zu erzählen, spannend zu erzählen. Als Historikerin ist mir wichtig, dass alles sehr korrekt, gegebenenfalls mit Fußnoten, angegeben ist. Und diese Mischung hinzukriegen, ist eine glücklich machende Aufgabe.«

Da sich Gottschalk als Biografin tief in die Welt des Porträtierten hineinbegibt, kann sie natürlich auch viel erzählen. Und so berichtet sie in dem Interview lebhaft von ihren Entdeckungsreisen zu Astrid Lindgren und Sophie Scholl, aber auch zu Johannes Gutenberg, der zum modernen Buchdruck wesentlich beigetragen hat und über den fast gar nichts bekannt ist. Hier, erklärt sie, muss man dann eben viel über das Umfeld schreiben, in dem sich Gutenberg bewegt hat, also über das späte Mittelalter.

Interviews wie dieses mit Maren Gottschalk lese ich immer mit dem größten Interesse, weil auch ich eine Lebensbeschreibung einer historischen Persönlichkeit verfasst habe. Bei mir ging es um ein – zumindest in bestimmten Kreisen – bekanntes Opfer des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR, nämlich um Walter Linse, der 1952 aus West-Berlin entführt wurde. Diese Biografie zu verfassen, war viel Arbeit, und von dem, was Gottschalk berichtet, finde ich vieles in meinen Erfahrungen wieder. Gegenwärtig bereite ich übrigens eine überarbeitete Neuausgabe vor.

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