Das Zeitzeugenmobil startet am 9. November in Berlin

Zeitzeugen sind eine wichtige Quelle für Historiker. Am 9. November startet in Berlin das Zeitzeugenmobil des Hauses der Geschichte seine Tour durch Deutschland. Spontaninterviews sind möglich.

Tränenpalast
Eingang zum Museum im »Tränenpalast« in Berlin. Foto: Per-Olof Forsberg / flickr.com / CC BY 2.0 (Ausschnitt)

Vor gut einem halben Jahr ist die Website zeitzeugen-portal.de online gegangen, die vom Haus der Geschichte Bonn betrieben wird. Das Haus der Geschichte Bonn gehört zur Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, einer Stiftung des Bundes, die unter anderem das Zeitgeschichtliche Forum in Leipzig unterhält. Auf dem Zeitzeugenportal kommen Prominente und ganz normale Bürger zu Wort und erzählen von wichtigen Ereignissen, wie sie sie erlebt haben.

Unter Historikern waren die Berichte von Zeitzeugen durchaus umstritten, weil sie naturgemäß nicht »objektiv« sind, sondern eingefärbt von persönlichen Ansichten und Vorlieben und beschränkt durch eine Perspektive, die das Ganze nicht im Blick hat. Allerdings hat sich inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt, dass Zeitzeugen wichtige Beiträge zur Erhellung von Abläufen und zum Verständnis eines Ereignisses leisten können.

Der Präsident der Stiftung, Hans Walter Hütter, hat in einem Interview die Bedeutung von Zeitzeugeninterviews unterstrichen, indem er auf die Arbeit von Forschern in den fünfziger Jahren aufmerksam macht. Sie haben nämlich tausende von Zeitzeugen befragt, um zu erfahren, was erst in der NS-Zeit und dann bei der Vertreibung der Deutschen nach dem Krieg geschehen ist. »Hier wurde wissenschaftliches Neuland betreten«, sagt Hütter.

Doch nicht nur für die Forschung sind Zeitzeugen eine wichtige Quelle, sondern auch die Geschichtsdidaktiker haben entdeckt, dass sich Geschichte viel besser vermitteln lässt, wenn Zeitzeugen über die Ereignisse berichten. Hütter: »Zeitzeugengespräche, aber auch Museumsbesuche oder die Analyse von Filmen bieten geeignete Abwechslung und steigern die Aufmerksamkeit. Lebendigkeit und Methodenvielfalt sprechen für den Einsatz von Zeitzeugenberichten in Ausstellungen.«

Nun setzt das Haus der Geschichte ihr »Zeitzeugenmobil« in Bewegung. Morgen, am 9. November 2017, wird es am Berliner »Tränenpalast« seine Deutschlandtour beginnen. Vormittags werden geladene Zeitzeugen ihre Erinnerungen an den Mauerfall zu Protokoll geben, und am Nachmittag von 16 bis 18 Uhr kann man spontan von seinen Erlebnissen an die Teilung und diesen geschichtsträchtigen Tag berichten. Die Dauerausstellung im Tränenpalast kann von 10 Uhr morgens an besichtigt werden.

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