Konkurrenz für Stolpersteine in München

Der Münchner Stadtrat lehnt die Verlegung der Stolpersteine von Günter Demnig weiterhin ab. Er hat ein eigenes Konzept zum Gedenken an die Opfer der NS-Gewaltherrschaft verabschiedet.

Stele Gedenken München
Foto: stauss processform / Kulturreferat München

Seit vielen Jahren werden in ganz Deutschland immer wieder so genannte Stolpersteine verlegt: Messingplatten von zehn Zentimetern Kantenlänge, in die die Namen von Opfern des NS-Regimes und die Todesdaten eingraviert sind. Sie werden in der Regel am letzten freiwilligen Wohnort verlegt. Das Projekt, das Günther Demnig 1992 begonnen hat, ist international erfolgreich: In zahlreichen europäischen Ländern wurden bislang rund 61.000 Stolpersteine verlegt.

Um einen Stein zu verlegen, bedarf es zahlreicher Vorbereitungen, weil verschiedene Aspekte beachtet werden müssen. Zum Beispiel muss der Eigentümer des Grundes, auf dem ein Stein verlegt werden soll, seine Zustimmung geben. Und hier stellt sich ein wichtiger Eigentümer seit Jahren quer: In München dürfen auf Beschluss des Stadtrates auf städtischem Grund keine Stolpersteine verlegt werden.

Die Verlegung von Stolpersteinen wird nämlich nicht von allen gutgeheißen. So kritisiert etwa die Vorsitzende der Israeltischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, dass diese Art des Gedenkens eben nicht zu einem Stolpern führe, sondern eher das gegenteilige Bild und die gegenteilige Wirkung hervorrufe: »Menschen treten auf die Stolpersteine oder gehen achtlos über sie hinweg.«

Nun hat man aber auch in München einen Weg gefunden, wie man den Zweck, den Demnig und die Unterstützer seines Projekts verfolgen, auf eine andere Art erreicht. Der Stadtrat hat sich nämlich dafür entschieden, entweder Tafeln an den Wohnhäusern der Verfolgten des NS-Regimes anzubringen oder Stelen aufzustellen. Wenn man sich das von Kilian Stauss entwickelte Konzept ansieht, fragt man sich allerdings, wo der Unterschied zu den Stolpersteinen Demnigs bestehen soll. »Das sind Stolpersteine an der Wand«, lautete ein Kommentar, nachdem der Stadtrat Staussens Konzept verabschiedet hatte.

Für die Stolperstein-Initiative ändert sich mit dem Beschluss des Stadtrates eigentlich nichts. Im Oktober verlegte sie in München wieder sechs Stolpersteine, darunter zwei »rosa Stolpersteine« im Gedenken für zwei wegen ihrer homosexuellen Neigungen verfolgten Männer.

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