Keine Biografie über René Magritte

In einer neuen Graphic Novel taucht ein Angestellter ein in die Bilderwelt des Künstlers René Magritte. Das Spiel der Autoren mit dessen Werken ergibt eine wunderbare Hommage an den Surrealisten.

René Magritte
Foto: Carlsen-Verlag

Im Carlsen-Verlag ist soeben ein Buch erschienen, das dem großartigen Künstler René Magritte ein ihm angemessenes, also ein großartiges Denkmal setzt. Großartig ist es nicht, weil es besonders groß oder in irgendeiner Weise bombastisch wäre. Sondern es ist großartig, weil das Buch verschiedene Elemente so miteinander verbindet, dass es am Ende besonders stimmig ist: Sowohl die Geschichte als auch die Darstellung werden dem Werk des Surrealisten gerecht und bringen es einer heutigen Leserschaft nahe.

Magritte (1898-1967) war einer der wichtigsten Vertreter der »Surrealismus« genannten Kunstrichtung, die Traumwelten und verschiedene Theorien von der menschlichen Seele in Bilder und Artefakte zu verwandeln sucht. Magritte entwickelte hierin einen ganz eigenen Stil, der seinen Werken einen hohen Wiedererkennungswert verschaffte. (Die Urheberrechte werden von der Fondation Magritte offensichtlich gut geschützt, weshalb bei Wikipedia keine Bilder vorhanden sind. Verwenden Sie die Bildersuche von Google.)

Eines von Magrittes berühmtesten Bildern ist »La trahison des images« (»Der Verrat der Bilder«), auf dem er eine Pfeife abbildet, die er mit dem Zusatz »Ceci n’est pas une pipe« (»Das ist keine Pfeife«) versieht. Ebenfalls berühmt ist das Motiv des Mannes mit Melone (also einem Hut), dessen Gesicht man nicht sieht, weil das von einem Apfel verdeckt wird oder weil es ganz offensichtlich nur ein Scherenschnitt ist, hinter dem der bewölkte Himmel sichtbar wird. Fast alle Bilder von Magritte sind überraschend.

Diese Bildwelten nimmt die »Graphic Novel« – ein neuer Ausdruck für Comic, der sich an Erwachsene richtet – von Thomas Campi und Vincent Zabus auf. Erzählt wird die Geschichte eines Angestellten, der auf einem Flohmarkt eine Melone kauft, wie sie in Magrittes Bildern auftaucht. Als er damit ein Museum besucht, beginnen die Bilder Magrittes mit ihm zu reden. Er taucht fortan ein in dessen Welt, die sich mit seiner eigenen immer mehr überlagert. Da die Geschichte gut erzählt und gut ins Bild gesetzt ist, ist »Magritte. Dies ist keine Biografie« eine gelungene Hommage an den großen Künstler.

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