Der Pérák in Lety

Mit der Erinnerung an den legendenhaften Pérák protestierten Tierschützer im tschechischen Lety gegen eine Schweinemastanlage. Doch der Bezug auf den Holocaust ist verwerflich.

Pérák
Foto: Screenshot

Nach jahrelangen Diskussionen und Verhandlungen ist man sich vor kurzem einig geworden: Die Schweinemastanlage im tschechischen Lety wird an den Staat verkauft, damit auf em Gelände eine Gedenkstätte eingerichtet werden kann. Hier befand sich nämlich während der Besetzung durch die Deutschen im Zweiten Weltkrieg ein Konzentrationslager (KZ), in dem Roma Zwangsarbeit leisten mussten und viele von ihnen darüber ums Leben kamen. Jetzt soll an dieses »vergessene« KZ angemessen erinnert werden.

In der gedenkpolitischen Auseinandersetzung blieb ein Thema – soweit ich das mangels Kenntnissen der tschechischen Sprache überblicke – außerhalb des Interesses breiter Kreise: der Tierschutz, oder besser: die Aktionen von Tierschützern. Denn schon 2015 drangen Tierschützer in die Anlage ein, sprühten Parolen an die Wände und hinterließen dort auch Farbspritzer und Bilder. Das alles dokumentierten sie sodann in einem Video, das sie ins Internet stellten.

Bemerkenswert an dieser Aktion war vor allem, dass sich die Eindringlinge nach »Pérák« benannten, einer sagenhaften Figur aus Prag. Pérák war der Legende zufolge ein so genannter Springmann, über den während der Zeit der deutschen Besatzung Gerüchte im Umlauf waren. Er wurde als eine Art Superheld angesehen, der der Bevölkerung gegen die Besatzer beiseite stand und dank der an seinen Schuhen befestigten Federspiralen seinen Häschern immer wieder entkommen konnte.

1946 wurde Pérák in einem kurzen Animationsfilm ein kleines Denkmal gesetzt. Wahrscheinlich hat er nie existiert; die Figur des Springmannes ist bereits im viktorianischen England aufgetaucht, er wurde auch in Russland der zwanziger Jahre gesichtet oder um 1950 in Sachsen und Thüringen. Es handelt sich also um eine »urban legend«, ein immer wiederkehrendes Motiv, das in Krisen- und Umbruchzeiten auftaucht und dann wieder verschwindet. Aber das ist gleich, denn, wie die Aktion der mutmaßlichen Tierschützer zeigt, der Mythos lebt.

Selbstverständlich hatten die Ausführenden der Aktion in Lety mit der erinnerungspolitischen Debatte nichts am Hut. Wie gesagt: Wahrscheinlich handelte es sich um Tierschützer, die aus ihrer rigoristischen Ethik heraus keinen Vergleich scheuen, um die angebliche Verwerflichkeit der Tiernutzung durch den Menschen anzuprangern. Das Anliegen des Tierschutzes ist zwar gut und richtig, weil Tiere nicht geqult werden sollen, was oft genug vorkommt. Aber Tierschützer wie die der Organisation »Peta« gehen mit der bedenkenlosen Relativierung des Holocaust und der Einebnung der Mensch-Tier-Differenz zu weit.

Das Einzige, das bei dieser Aktion Respekt abnötigt, ist das historische Wissen der Betreffenden. Zwar taucht »Pérák« ungefähr alle zwanzig Jahre in einem Film auf. Aber es erfordert doch eine gewisse Findigkeit, ihn in Beziehung zu setzen zu irgendwelchen Aktionen von Tierrechtlern. Von diesem Aspekt abgesehen, war die Aktion und die mit ihr transportierte Botschaft allerdings verwerflich.

One thought on “Der Pérák in Lety

  1. Hallo,
    nur kurz. Ihr Artikel ist total überflüssig und inhaltlich falsch. Die Menschen die in die Mast eingedrungen sind sind keinesfalls ausschließlich Tierschützer_innen- dieses Argument wird eher ganz im Hintergrund stehen. Perak kommt wieder weil die Menschen in Tschechien kollaboriert haben mit den deutschen Besatzer_innen , das Lager zwar unter deutscher Verwaltung stand, die Täter_innen jedoch Tschechinnen waren und das Lager bereits vor der Besatzung anberaumt war. Siehe dazu auch die diskriminierende Politik der CSR in den 20ern/30ern. Die Schweinemast ist eine Schande für eine jede Gesellschaft die sich zivilisatorisch nennen mag. Bis zum heutigen Zeitpunkt gibt es bis auf private Forschungen und die eines Ctibor Necas der sich lediglich der Täter_innenquellen bedient nicht wirklich eine gedenkhistorische Aufaufarbeitung der Besatzungs- und vorallem Romafeindlichen Zeit. Ein Großteil der tschechischen Rom_nja und Sint_iz e (sic!) wurden über Lety und Hodonin nach Auschwitz deportiert und fast vollständig ermordet. Die heute in Tschechien lebenden Roma_nja sind zu überwiegenden Teil slowakische Staatsbürger_innen. Es geht bei dem Kampf gegen die Schweinemastanlage um die Würde und das Gedenken an die Opfer. Sicher mögen viele de Aktivist_innen auch aus tierrechtlichen und ernährungsspezifischen Gründen die Schweinemast ablehnen das steht aber völlig im Hintergrund. Kommen Sie einmal nach Lety mit und treffen sie Menschen aus der heutigen Roma_Community, Verwandte von Überlebenden des Porajmos und spüren sie diesen unhaltbaren Zustand vor Ort! Dies alles mit dem als Tierschutz getarnten Antisemitismus und verkürzter Kapitalismuskritik von PETA und Co. zu vergleichen empfinde ich ganz persönlich als Farce. Setzen sie sich mit uns für ein würdiges Gedenken ein, skandalisieren sie Lety als bisher verpatzten Erinnerungsort und setzen sich für Menschen und Tierrechte ein. Ersparen Sie jedoch bitte die Welt mit vor Unkenntnis strotzenden kurzen Artikeln die nicht abbilden können was sie abbilden wollen weil Sprachkenntnisse fehlen. Beim nächsten Mal einfach jemanden fragen der sich auskennt, die Sprache spricht oder sich jemanden suchen der dazu befähigt ist. Opre Roma!
    Michael_a von ecoleusti.wordpress.com

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