Kampagne gegen Historienfilm »Matilda«

In Russland läuft eine Kampagne gegen den Film »Matilda«, der eine Liebesaffäre des letzten Zaren zeigt. Produziert mit staatlicher Unterstützung, zieht er damit die Gegnerschaft kirchlicher Kreise auf sich.

Zar Nikolaus II.
Foto: Zar Nikolaus II., Gemälde von Earnest Lipgart. Wikimedia Commons / gemeinfrei

Der Film ist noch nicht in die Kinos gekommen, doch der Ärger ist schon längst da: In Russland steht der Kostümfilm »Matilda« von Alexej Utschitel seit Monaten in der Kritik kirchlich-nationalistischer Kreise, die ihn für anstößig halten. Der Spielfilm behandelt die Beziehung des letzten Zaren zu einer Tänzerin, die er aber beendet, um eine Vernunftehe einzugehen. »Du bist Zar, du hast ein Recht auf alles, außer Liebe«, lautet ein Werbeslogan.

Die Geschichte spielt in den 1890er Jahren, als Thronfolger Nikolaus II. nicht standesgemäß mit Matilda Kschessinskaja (1872-1971) anbandelt. Diese Affäre ist wie andere historisch verbürgt, und selbstverständlich wird sie von Regisseur Alexej Utschitel noch weiter ausgeschmückt und mit den entsprechenden Szenen bebildert. Das kann nicht verwundern, denn trotz historischem Bezug handelt es sich um einen Spielfilm, der der das Publikum unterhalten will.

Allerdings ist Zar Nikolaus II. nicht irgendein Zar, sondern er wurde 1918 von den Revolutionären ermordet und 2000 von der russisch-orthodoxen Kirche als Märtyrer heiliggesprochen. Er ist insofern für mehr als nur eine historische Figur – nämlich ein Zar, der vor den Herausforderungen seiner Zeit versagte –, sondern er ist Symbol des Glaubens, der durch den Sowjetkommunismus unterdrückt wurde.

Seit Monaten nun läuft eine Kampagne gegen den Film, von dem nicht mehr als ein zweiminütiger Werbefilm bekannt ist. Sie wird orchestriert von der Abgeordneten Natalja Poklonskaja, die den Film verbieten lassen möchte. Ihr zur Seite stehen eine Gruppierung namens »Zarenkreuz« und eine weitere namens »Christlicher Staat – Heilige Rus«. Mit teils gewaltsamen Methoden gehen sie gegen den Produzenten vor und drohen darüber hinaus mit Brandanschlägen auf Kinos, in denen der Film gezeigt wird.

Der Film wurde mit staatlicher Förderung produziert, weshalb die Regierung ihn auch in Schutz nimmt. Regisseur Utschitel hatte die Annexion der Krim befürwortet und ist insofern loyal zu Russlands Präsident Vladimir Putin. Der sucht schon seit geraumer Zeit den Schulterschluss mit der Kirche und fördert Bestrebungen, die alte Größe Russlands wiedererstehen zu lassen. Nun wird vermutet, dass er die Geister, die er rief, nicht mehr los wird.

Am 26. Oktober 2017 soll der Film in die russischen Kinos kommen. Es fragt sich nur, welche Kinobetreiber dann noch den Mut aufbringen werden, das eigentlich staatsfromme Werk zu zeigen. Der Deutsche Schauspieler Lars Eidinger, der die Hauptrolle übernommen hat, will jedenfalls aus Angst vor Übergriffen nicht an der Premierenfeier teilnehmen.

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