Jenny Elvers kündigt Autobiografie an

Es gibt Unterhaltungskünstler, die sich nicht vollständig der Öffentlichkeit preisgeben. Und es gibt solche wie Jenny Elvers, die alles offenbaren. Und dann noch eine Autobiografie schreiben.

Jenny Elvers
Jenny Elvers, 2015. Foto: 9EkieraM1 / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0 (Ausschnitt)

Der Fernsehunterhalter Harald Schmidt hat sich ja schon festgelegt: Er schreibt keine Autobiografie, weil er der Ansicht ist, dass 2.000 Auftritte mit seinen Shows Autobiografie genug sind. Schmidt machte sich und sein Innenleben zwar immer wieder zum Thema von Witzen, aber immer wahrte er eine bestimmte Grenze, die er niemanden überschreiten ließ. Man weiß also bescheid über seinen Katholizismus und verschiedene Neurosen – wohl eher: Spleens –, aber nicht über seine Familie oder was ihn in seinem Innersten wirklich bewegt. Schmidt hat sich gewissermaßen in eine öffentliche und eine private Person aufgespalten.

Bei der Schauspielerin Jenny Elvers ist das anders. Wie Schmidt drängte es sie früh in die Öffentlichkeit: mit 18 Jahren erst als »Heidekönigin« in ihrem Heimatstädtchen Amelinghausen, später als Schauspielerin, Moderatorin und Model: Sie spielte in verschiedenen TV- und Kinofilmen mit, nahm an so genannten Reality-Shows wie »Big Brother« oder »Let‘s dance« teil, moderierte ein Boulevard-Magazin und Verkaufssendungen in einem Shopping-Kanal, zog sich für den »Playboy« aus und versuchte sich auch als Sängerin.

Jetzt hat die 45-Jährige angekündigt, bald ihre Autobiografie vorlegen zu wollen. Als gegenwärtige Hauptbeschäftigung gibt sie »lesen, schreiben, lesen« an, und die Hashtags ihrer Wortmeldung, die sie über Instagram verbreitete, deuten an, dass die Arbeit bald beendet sein wird und es um »wilde, spannende, fröhliche, deprimierende, glückliche, lebensfrohe, sexy, erschöpfende, verstörende, reflektierende, mutige, zerstörerische, kämpferische Momente« gehen wird. Klatschblätter wie Die Bunte jubeln jetzt schon: »Wir sind gespannt und gratulieren Jenny jetzt schon zu dem Mut, ihre Seele offen zu legen.«

Es ist zu begrüßen, dass Elvers ihre Geschichte aufschreibt. Sowohl ihr bisheriges Leben als auch die Ankündigung zeigt, dass das Werk am Ende authentisch sein wird. Die öffentliche Person, die schon viele Höhen und Tiefen erlebt hat, wird sie in ihrer ganzen Vielfalt schildern und sich darüber hinaus mehr oder weniger tiefschürfende Gedanken zu machen, ihr Leben Revue passieren zu lassen und zu fragen, warum es sich so und nicht anders entwickelt hat, wo sie andere Entscheidungen hätte treffen sollen und welche Entscheidungen sich in der Rückschau als goldrichtig erwiesen haben. Wer sich für Jenny Elvers interessiert, darf gespannt sein.

Man darf aber auch fragen, ob die Autobiografie der Unterhaltungskünstlerin irgendetwas Neues enthalten wird. Denn man muss nur oberflächlich im Internet suchen, um schnell festzustellen, dass über Elvers fast alles bekannt ist, was zu wissen sich lohnt. Sie hat bis jetzt bereitwillig ihre Gefühle und ihre Krisen mit der Öffentlichkeit geteilt, hat sich immer wieder fotografieren lassen und Interviews auch über sehr private Dinge gegeben. Wer will, wird sie ungeschminkt sehen und bei Alltagsgesprächen zuhören können, kann Nacktfotos betrachten und Details aus ihren Beziehungen zu verschiedenen Männern erfahren. Kann eine Autobiografie darüber hinaus etwas enthüllen?

Wer bis jetzt kein Interesse an Jenny Elvers, ihrem Leben, ihren beruflichen Leistungen und ihren persönlichen Eskapaden hatte, wird sich die Lektüre ihrer Autobiografie sparen. Man kann zwar davon ausgehen, dass auch öffentliche Personen wie sie einen Kern haben, den sie (noch) nicht offengelegt haben, sondern vor den neugierigen Blicken der Öffentlichkeit schützen. Die Frage ist nur, ob ein innerster Persönlichkeitskern wirklich vorhanden ist – ist sie vielleicht nicht mehr, als was sie bis jetzt offenbart hat? Und wenn doch, fragt es sich, ob man aus Fürsorge um die allzu offenherzige Elvers nicht davon Abstand nehmen sollte.

Harald Schmidt und Jenny Elvers verkörpern zwei Typen von Unterhaltern: Schmidt spielt eine Rolle, bei der er notwendigerweise auch seine Persönlichkeit einbringen muss, diese aber auf seine Weise zu schützen weiß. Elvers kann – ich hoffe, ich tue ihr nicht unrecht – zwischen sich und ihrer Rolle überhaupt nicht trennen, was zu totaler Selbstentblößung und Alkoholkrankheit führt. Von Schmidt würde man gerne etwas mehr erfahren – doch er verweigert sich. Ob es bei Elvers mehr gibt, das zu erfahren sich lohnt, ist unklar oder sogar unwahrscheinlich – doch das wird sie der Welt mitteilen. Schmidt nimmt dem Publikum die Entscheidung ab, bei Elvers hat es die Möglichkeit, ihr Angebot anzunehmen oder abzulehnen.

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