Diskussion über den Matthäikirchhof in Leipzig

Für den Matthäikirchhof in Leipzig wird neu geplant. Zentrale Frage ist, ob das Gebäude der ehemaligen MfS-Bezirksverwaltung abgerissen wird. Und soll man auch an die abgerissene Matthäikirche erinnern?

MfS-Bezirksverwaltung Leipzig. Matthäikirchhof
Innenhof der ehemaligen MfS-Bezirksverwaltung Leipzig (Matthäikirchhof). Foto: Bettenburg / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0 (Ausschnitt)

Nach über einem Vierteljahrhundert nach der »Wende« in der DDR nimmt die Diskussion über die Zukunft eines der zentralen Orte der »friedlichen Revolution« von 1989 Gestalt an. In »Heldenstadt« Leipzig diskutiert man nämlich die Frage, was mit dem Gelände geschehen soll, auf dem die Gebäude der ehemaligen Bezirksverwaltung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) stehen.

Es geht um den Matthäikirchhof, also den Ort, an dem die 1943 bei einem Bombenangriff schwer beschädigte und nach 1948 abgerissene Matthäikirche stand. An diesem Ort, der als Keimzelle der Stadt Leipzig gilt, zog 1950 die MfS-Bezirksverwaltung in ein noch heute bestehendes Verwaltungsgebäude aus dem frühen 20. Jahrhundert ein, dem 1984 ein hässlicher Plattenbau beigesellt wurde.

Oberbürgermeister Burkhard Jung plädiert dafür, an diesem Ort wesentliche Formen des Gedenkens an die SED-Diktatur zu versammeln. Er würde gern die Gedenkstätte »Runde Ecke« dabehalten, das ohnehin geplante Freiheits- und Einheitsdenkmal hier errichten und die sächsische Zweigstelle des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (BStU) herholen. So entstünde ein Ort, »an dem über Freiheit, Menschenrechte und Demokratie diskutiert wird und auch deutlich gemacht werden kann, was ihr Fehlen bedeuten würde. Ein Ort, der zeigt, was Menschen schaffen können, wenn sie ihr Herz in die Hand nehmen und mutig ein System hinwegfegen.«

Dass die Verwirklichung dieses Vorhabens ungewiss ist, versteht sich von selbst. Denn Jungs Idee trifft nicht auf ungeteilte Zustimmung. So wollen die Verfasser eines Offenen Briefs an den Oberbürgermeister die Entwicklung des städtebaulich wertvollen Geländes von den Planungen zur Errichtung eines Denkmals getrennt wissen. Im Spannungsfeld von Gedenken an die Diktatur und Weiterentwicklung warnen sie davor, die Planungen an »eine Gruppe von Bürgerrechtlern ohne die nötige Fachkompetenz« zu delegieren.

Einig ist man sich in jedem Fall, wenn es um die Bürgerbeteiligung geht, auf die man angesichts der Bedeutung des Ortes nicht verzichten will. Noch gar nicht weitergekommen ist man in der Frage nach dem Abriss der Plattenbauten, die – wie so oft in der DDR – ohne Rücksicht auf das bauliche Umfeld errichtet wurden. Handelt es sich um ein wichtiges baugeschichtliches Zeugnis oder um nicht erhaltenswerte Überreste der Diktatur?

Die Diskussion über die Zukunft des Geländes nimmt also an Fahrt auf – und sie wird noch eine Weile dauern, was der Bedeutung des Geländes und seiner komplexen Geschichte geschuldet ist. Jetzt hat sich auch die Pfarrerin der Thomaskirche zu Wort gemeldet und darauf aufmerksam gemacht, dass die Matthäikirchengemeinde seinerzeit entschädigungslos enteignet worden ist. Sie regt an, auch diesen Umstand bei den Planungen zu berücksichtigen.

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