Thomas Middelhoff streitet über Kleinigkeiten

Der Ex-Top-Manager Thomas Middelhoff hat seine Erlebnisse aus der Strafhaft als Buch veröffentlicht. Gegen eine Biografie über ihn geht er vor, weil ihm ein Detail des Marketings für diese Biografie missfällt.

Thomas Middelhoff
Foto: Robert Freund / www.der-sturz.de

Es ist für einen Laien im Grunde nicht nachvollziehbar, was Thomas Middelhoff vorgeworfen wurde. Aber das muss es wohl auch nicht. Man muss nur wissen, dass Middelhoff einst ein bedeutender Manager gewesen ist, dessen Name untrennbar mit den krisengeschüttelten Traditionskaufhäusern Karstadt und Quelle verbunden ist, deren Niedergang in die Zeit fiel, als Middelhoff dort das Sagen hatte. Danach kam der einst hochgelobte Manager aus den Schlagzeilen nicht mehr heraus, weil sich die Öffentlichkeit weiterhin für ihn interessierte: als Angeklagten in verschiedenen Gerichtsprozessen, die mit einer Haftstrafe endeten, die er bis heute absitzen muss. Allerdings kommt er vielleicht noch im November frei.

Die Verurteilung am 14. November 2014 zu einer mehrjährigen Haftstrafe, die nicht zur Bewährung ausgesetzt wird, traf Middelhoff unerwartet – ein Schock. Doch was er erleben musste, als er sie angetreten hatte, ließ seinen Glauben an die deutsche Justiz und den Justizvollzug in Deutschland erschüttern. Seine Erlebnisse in der Haft hat er nun in einem Buch zusammengefasst, das kürzlich erschienen ist. Es ist so ambivalent wie er selbst: »Big T offeriert im Grunde zwei extreme Versionen«, heißt es in einer Rezension von »A115 – Der Sturz«, »Middelhoff über sich selbst: Das wirkt in der Gesamtschau reichlich zerrissen, borderlinig sogar.«

Sein Buch hat Middelhoff nicht als Autobiografie geschrieben, wie er beziehungsweise sein Verlag betont. Aus ebendiesem Grund ist es zu einer kleinen juristischen Auseinandersetzung mit einem anderen Verlag gekommen, in dem kurz nach Erscheinen von »A115 – Der Sturz« die Biografie eines Journalisten über Middelhoff erschienen ist. Der Autor, Massimo Bognanni, hatte vor längerer Zeit Kontakt mit Middelhoff gehabt, weil der mit dem Gedanken schwanger gegangen war, eine Autobiografie zu verfassen. Bognanni arbeitet für das Handelsblatt und recherchiert und berichtet schon seit Jahren über Middelhoff und die gegen ihn geführten Prozesse. Am Ende kam aber keine Zusammenarbeit zustande.

Middelhoff wehrt sich nicht dagegen, dass Bognanni eine Biografie über ihn verfasst hat. Sondern er greift nur das Marketing von Bognannis Verlag an, um zu vermeiden, dass der Eindruck entsteht, er, Middelhoff, habe eine Autobiografie verfasst. Bognannis Verlag nämlich – der Campus-Verlag – bewirbt das Buch unter anderem mit Hinweisen auf Gespräche Bognannis mit Middelhoff. Die leugnet auch keiner, doch möchte Middelhoffs Verlag – Langen Müller – nicht, dass eine Verbindung zwischen diesen Gesprächen und dem Inhalt von Bognannis Biografie hergestellt wird. Der Umstand, dass das Buch Bognannis ohne diese Gespräche mit Middelhoff entstanden ist, wird in den Augen der Middelhoff-Partei verwischt.

Das Vorgehen gegen das Marketing für Bognannis Biografie ist ziemlich kleinlich. Man kann natürlich argumentieren, dass der Verlag zur Bewerbung der Biografie die Gespräche, die unbestritten stattgefunden haben, in einen Zusammenhang mit dem Inhalt stellt und dadurch den Eindruck erweckt, zumal da Middelhoffs eigenes Buch erklärtermaßen keine Autobiografie sein sollt, es handele sich um ein von Middelhoff autorisiertes Werk. Man kann es aber auch übertreiben. Daher ist es vielleicht nur konsequent, wenn nun auch das Wochenmagazin Der Spiegel um gerichtliche Hilfe gegen den Verlag Langen Müller angerufen hat, weil Middelhoff kleinere, den Spiegel betreffende Fehler – sehr richtig: Wein ist kein Wasser und das Ressort »Deutschland 1« ist nicht mit dem Ressort »Deutschland 2« zu verwechseln – unterlaufen sind.

Möglicherweise sind diese Streiterein symptomatisch für Middelhoffs In-der-Welt-sein, möglicherweise hat er sein ganzes Leben und seine ganze berufliche Laufbahn mit so viel Blick auf – nebensächliche, wie ich meine – Details gestaltet. Das ist auf eine gewisse Weise vorbildlich, denn »der Posterboy der deutschen Wirtschaft« hat ja lange Zeit eine großartige Karriere hingelegt. Allerdings hat Middelhoff auch viel Zeit in Gerichtssälen verbracht und ihm ist ein Gefängnisaufenthalt mit vielen demütigenden Momenten nicht erspart geblieben. Wenig überraschend ist auch seine Ehe gescheitert. Von daher erscheint die Schlussfolgerung viel plausibler, dass es sinnvoll ist, nicht immer alles kontrollieren und nicht immer rechthaben zu wollen.

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