Digitalisierung von Beständen für die Familienforschung jetzt!

Die Digitalisierung von Beständen in deutschen Archiven, die relevant für die Familienforschung sind, kommt im Vergleich zu Polen oder der Tschechischen Republik nur schleppend voran. Das sollte sich ändern.

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Foto: Olaf Kosinsky/Skillshare.eu / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0 DE (Ausschnitt)

Anlässlich des 69. Deutschen Genealogentages, der am Wochenende in Dresden stattfand, hat der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft genealogischer Verbände Dirk Weissleder auf einen besonders misslichen Umstand aufmerksam gemacht: die schleppende Digitalisierung der für die Familienforschung relevanten Bestände deutscher Archive. »Wir hängen hinterher«, sagte Weissleder.

Von der Deutschen Presseagentur DPA befragt, appellierte Weissleder an die Archive, die Familienforscher nicht als weltfremde Querulanten zu betrachten, sondern ihre kulturell wertvolle Funktion zu respektieren und ihre Arbeit zu fördern. »Wir sind vielleicht keine Wissenschaftler, aber wir schaffen Wissen«, erklärte er. »Was wir brauchen, sind Archive als Partner.« Weissleder machte außerdem darauf aufmerksam, dass die Archive in anderen Ländern teilweise schon sehr viel weiter sind als in Deutschland.

In der Tat: Beispielsweise sind zahlreiche Kirchenbücher in der Tschechischen Republik digitalisiert, was den Deutschen auf der Suche nach ihren Vorfahren aus Böhmen, Mähren und Mährisch-Schlesien sehr entgegenkommt. Aber auch Archive in Polen haben ihre Bestände teils vollständig digitalisiert und ins Internet gestellt.

Da die Archive sich nur sehr zögerlich an die aufwendige Arbeit der Digitalisierung heranwagen, haben private Unternehmen diese Lücke besetzt. Zum Beispiel bietet Ancestry.de einen kostenpflichtigen Service an, die Mormonen haben mit FamilySearch.com ein kostenloses Angebot parat, bei dem man aber nicht alles am heimischen PC durchforsten kann, sondern sich in eine der Niederlassungen begeben muss.

Ist die Forderung nach Digitalisierung der Bestände für die Ahnensuche angemessen oder handelt es sich um ein Luxusproblem? Hier sind sich die Familienforscher offensichtlich uneins, wie aus der Diskussion über die DPA-Meldung hervorgeht. Ein Kommentator ist der Meinung, dass ein »echter« Familienforscher sich eben auch in ein staubiges Kirchenarchiv am Ende der Welt begeben muss, ein anderer verweist auf die geringere Umweltbelastung, wenn man sich die Fahrt mit dem Pkw zu diesem Archiv erspart.

Die Unterstützung der Familienforschung gehört sicherlich nicht zu den zentralen Aufgaben der Archive, und sie steht auf der Liste der zu erledigenden Dinge entsprechend nicht ganz oben. Aber dennoch dürfte unbestritten sein, dass die Digitalisierung von diesen Beständen ein zeitgemäßes Vorhaben ist. Vielleicht muss es öfters Wortmeldungen wie die von Weissleder geben, damit den Verantwortlichen die kulturelle Bedeutung der Familienforschung stärker ins Bewusstsein tritt und die Digitalisierung der Bestände auch in Deutschland vorankommt.

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