Gedenkort für die Opfer des Anschlags auf den Berliner Weihnachtsmarkt

Viel Kritik hat die Berliner Politik für ihren Umgang mit den Opfern des Anschlags auf den Weihnachtsmarkt 2016 anhören müssen. Zum Jahrestag wird eine Gedenkstätte eingeweiht.

Gedächtniskirche Berlin Breitscheidplatz
Foto: Senatskanzlei Berlin

Der Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt am 19. Dezember 2016 hat nicht nur in der Stadt selbst, sondern in ganz Deutschland und in der Welt tiefe Erschütterung ausgelöst. Der Täter hatte erst einen Lkw-Fahrer ermordet und war dann mit seinem Sattelzug durch die Buden des Marktes gerast, bis das Sicherheitssystem des Lkw eine automatische Bremsung einleitete. Da waren weitere elf Menschen tot und 55 teils schwer verletzt. Es war ein Verbrechen von internationaler Bedeutung: Die Opfer stammten aus Israel, Italien, Tschechien, Ukraine und Polen.

Nach dem Anschlag entwickelte sich die fast schon übliche Form des Trauerns: Menschen verweilten zum stillen Gedenken an dem Ort, legten Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Wie an anderen Orten derartiger Anschläge wurde auch am Breitscheidplatz eine Tafel angebracht, die allerdings sehr provisorisch war und die deutschen Opfer nicht namentlich erwähnte – was eine gewisse Verwunderung auslöste. Damit hat es nun ein Ende, denn zum Jahrestag des Verbrechens soll eine »offizielle« Gedenkstätte an der Gedächtniskirche eingeweiht werden.

Die Entscheidung über die Gedenkstätte hat eine Projektgruppe getroffen, die von Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller einberufen worden war und der Vertreter des Landes Berlin, des Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf sowie von Institutionen und Organisationen angehören, deren Aufgabe die Bearbeitung der Nachwirkungen des Terroranschlags ist bzw. die das Land Berlin in solchen Kontexten beraten und unterstützen. Müller erklärte: »Wir wollen diesem Gedenken dauerhaft einen Ort geben. Uns war wichtig, dass dieser Ort ein würdiges Gedenken ermöglicht, bei dem die Opfer im Zentrum stehen.«

Die Projektgruppe richtete ein Preisgericht ein, das sieben Gestalter und Architekten einlud, ihre Vorschläge einzureichen. Aus diesem Wettbewerb ging das Büro merz merz gmbh & co kg als Sieger hervor. Der Entwurf sieht einen goldenen Riss vor, der vom Kirchengebäude über die Treppenstufen zur großen Freifläche verläuft, auf der der Weihnachtsmarkt abgehalten wurde. In die Treppenstufen sind die Namen der Opfer eingraviert. Der Text der Inschrift, die von einer weiteren Projektgruppe erarbeitet wurde und am Ort angebracht wird, lautet: »Zur Erinnerung an die Opfer des Terroranschlags am 19. Dezember 2016. Für ein friedliches Miteinander aller Menschen. In dieser Nacht starben: (es folgen die Namen und Herkunftsländer der Todesopfer).«

Bei der Entscheidung über die Gestaltung des Gedenkortes waren die Angehörigen der Opfer miteinbezogen. »Ein leiser Entwurf« war es, was das Preisgericht gemeinsam mit ihnen anstrebte, wie die Vorsitzende Dagmar von Wilcken erklärte. »Der Riss soll die Narbe symbolisieren, die sichtbar bleibt, aber mit der Zeit verheilt.« Über den eigenen Entwurf teilt das Architektenbüro mit: »Der Anschlag fordert die Offenheit und Toleranz der Gesellschaft heraus. Der unvermittelte ›Riss‹, der sich durch dieses Ereignis im Alltag vieler Menschen und in der Gesellschaft aufgetan hat, ist das Leitmotiv für die Gestaltung des Gedenkortes. Der Riss durch den Breitscheidplatz verankert die Wunde des 19. Dezember 2016 dauerhaft und sichtbar im Stadtbild.«

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