Der Tag, an dem Lady Diana starb

Sie war die »Königin der Herzen«, eine öffentliche Person. Wegen ihrer Dauerpräsenz in den Medien kannte sie jeder. An die Nachricht vom Tod von Lady Diana kann sich jeder noch erinnern.

Lady Diana, Prince Charles und ihre beiden Söhne auf einer Briefmarke
Foto: Joe Haupt / flickr.com / CC BY-SA 2.0 (Ausschnitt)

Zwanzig Jahre ist es schon wieder her, dass Lady Diana starb. Am 31. August 1997 fuhr ihr Wagen mit hoher Geschwindigkeit in Paris in einen Tunnel, wo er gegen einen der Tunnelpfeiler prallte. Der Fahrer, der stark alkoholisiert war und unter Medikamenteneinfluss stand, und Lady Dianas Geliebter Dodi Al-Fayed waren sofort tot, Diana starb wenig später auf dem Weg ins Krankenhaus an ihren inneren Verletzungen. Ihr Leibwächter überlebte schwerverletzt. Das Ereignis war von geradezu epochaler Bedeutung – eigentlich jeder weiß, wo er war, als ihn die Nachricht vom Tod der »Königin der Herzen« erreichte.

Diana wurde 1961 in eine englische adelige Familie geboren und schon früh als geeignet zur Heirat mit dem Thronfolger Charles befunden. Der fühlte sich zwar eher zu Camilla Rosemary Shand gezogen und umgekehrt, dennoch heirate die zunächst Andrew Parker Bowles und Charles Diana. Aus dieser Ehe, die 1996 geschieden wurde, gingen zwei Kinder hervor. Allerdings war das Verhältnis zwischen den beiden schon lange zerrüttet; während Charles sich wieder Camilla annäherte, hatte Diana verschiedene Affären und ging ansonsten ihren Pflichten als Mitglied der königlichen Familie, als Princss of Wales nach.

Aus irgendeinem Grund war das Medieninteresse an Diana riesengroß. Ich weiß zwar, dass viele Menschen sich für das Leben von Prominenten interessieren. Und manchmal tue ich das ja auch. Aber für Lady Diana habe ich nie echte Begeisterung entwickeln können. Ich erinnere mich noch gut an eine kitschige Tasse mit dem Konterfei von Charles und Diana, die anlässlich ihrer Hochzeit hergestellt wurde und ihren Weg in unseren Haushalt fand. Und natürlich habe ich mitbekommen, welche Probleme das Paar plagte und manchmal sogar, welche öffentlichen Auftritte sie absolvierten. Aber dass Diana zur meistfotografierten Frau der Welt wurde, konnte ich nicht verstehen.

Die Jagd der Presse auf Diana war brutal. Und der Druck, den die Königsfamilie unter Queen Elisabeth II. ausübte, wohl kaum minder. Es ist daher nur zu verständlich, dass Diana psychische Probleme bekam, die sich unter anderem in ihrer Magersucht Ausdruck verschafften. Andererseits verstand sie sich auch in der Kunst der Selbstinszenierung, mit der sie sorgsam an ihrem öffentlichen Bild arbeitete. Damit bildeten sie und die »Bunten Blätter« eine Symbiose, die letztlich zu ihrem Tode führte. Zwar konnten alle Verschwörungstheorien um den Unfall widerlegt werden: Es handelte sich um einen Unfall, an dem der fahruntüchtige Fahrer schuld war. Es stimmt aber auch: Diana war bei ihrer letzten Fahrt – wie so oft zuvor – auf der Flucht vor den Fotografen.

Der Berliner Tagesspiegel stellt anlässlich des Todestages die gar nicht kühne Behauptung auf, dass jeder weiß, wo er war, als er die Todesnachricht erhielt: »Ob in der WG-Küche oder im Supermarkt, jeder erinnert sich an diesen einen Moment.« Die Zeitung lässt acht Autoren erzählen: Der eine hatte am Vorabend gefeiert und war noch nicht ganz wach, als er beim Frühstück im Café davon erfuhr. Der andere erhielt die Nachricht per Telefon an seinem Urlaubsort in Italien; er war zu jung, um zu wissen, um wen es genau ging, aber alt genug, um zu bemerken, dass die Person wichtig war. Wieder ein anderer weiß noch, dass ein Mitbewohner ihm sagte: »Du, die Di und der Dodi sind dot!‹« Er bemerkt dazu: »Ein Satz wie aus einem dadaistischen Gedicht.« Ein Vierter fuhr mit einer Fähre von Belgien nach England, auf der sich auch zahlreiche britische Soldaten befanden, denen nach dem live übertragenen Trauergottesdienst per Lautsprecher befohlen wurde, für eine Schweigeminute aufzustehen. Und so fort.

Auch ich kann mich noch genau erinnern, wie es bei mir war: Ich war während der Semesterferien zu Besuch bei meinen Eltern. Dort schlief ich in einem ziemlich abseits gelegenen Gästezimmer im Keller – und zwar gerne lang. Doch meine Mutter meinte offensichtlich an jedem Tag, dass es Zeit sei, mich aufzuscheuchen. Sie klopfte an die Tür und rief mir zu, dass Lady Diana gestorben sei. Da bin ich aufgestanden – weil es Zeit war, nicht wegen Diana. Ich weiß nicht mehr, was ich am Vorabend gemacht hatte. Und ich weiß nicht mehr, was ich an diesem Tag noch alles tat. Aber diese Szene ist mir immer in Erinnerung geblieben.

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