Mysteriöser Tod an Bord der »UC 3 Nautilus«

Bei einer Tauchfahrt auf einem privaten U-Boot verschwindet eine Frau. Hat der Konstrukteur Peter Madsen die Journalistin Kim Wall ermordet, als sie ihn an Bord der »Nautilus« besuchte?

Die »UC 3 Nautilus« mit ihrem Erbauer und Kapitän Peter Madsen im Jahr 2008.
Die »UC 3 Nautilus« im Jahr 2008. Foto: Frumperino / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0 (Ausschnitt, Abwandlung)

Am 10. August 2017 wurde Kim West zum letzten Mal gesehen. Ein Tourist steht auf dem Deck eines Kreuzfahrtschiffes, das gerade den Hafen von Kopenhagen verlässt. Da entdeckt er ein U-Boot, das nicht weit entfernt kreuzt. Im Turm stehen eine Frau und ein Mann. Der Tourist zückt seine Kamera und macht ein Foto. Es ist das letzte Foto von Kim West: Wenige Tage später wird ihr Leichnam gefunden – grausam verstümmelt und mit Gewichten beschwert.

Über das, was an Bord von »UC 3 Nautilus« passiert ist, weiß der Fahrer Peter Madsen wohl am besten bescheid. Denn er, der mit Wall auf dem U-Boot-Turm gesichtet worden ist, hatte die schwedische Journalistin zu einer Tauchfahrt mitgenommen. Die Polizei hat ihn verhaftet, und nachdem er zuerst aussagte, dass er Wall am Hafen abgesetzt habe, gab er später zu, ihren Leichnam nach einem Unfall seemännisch bestattet, also ins Meer geworfen zu haben.

Madsen ist 46 Jahre alt und in Dänemark schon lange als exzentrischer Konstrukteur bekannt. Seit seiner Jugend faszinieren ihn U-Boote und Raketen. Für diese Projekte erhielt er erkleckliche Geldsummen von Förderern, Unterstützung erhält er außerdem noch von ehrenamtlichen Mitarbeitern in seiner Werft in einem Kopenhagener Vorort. Während sein Raketenflug noch auf sich warten lässt, hat er immerhin das 18-Meter-U-Boot konstruiert, das Platz für acht Personen bietet. Madsen darf allerdings von Gesetzes wegen keine Gäste minehmen, weshalb er üblicherweise seine Tauchfahrten alleine macht.

»Ich meine, es ist nicht normal, Raketen zu bauen und in selbstgebastelten U-Booten durch die Gegend zu fahren«, meinte ein Fotograf, der Madsens Arbeit seit längerer Zeit begleitet. »Aber ich habe niemals gesehen, dass er Gewalt gegen jemanden angewendet hätte.« Doch genau dieser Verdacht wird nun mit einer gewissen Plausibilität geäußert. Denn wie sollte West an Bord der »UC 3 Nautilus« einen Unfall erleiden können? Ein ungenannter Gewährsmann aus Madsens Umfeld bekannte: »Es ist fast unmöglich, in einem U-Boot einen tödlichen Unfall zu erleiden.«

Nicht nur die Geschichte vom »Unfall« erscheint den Ermittlern und Beobachtern wenig plausibel. Denn Madsen galt nicht nur als Sonderling, sondern es ist inzwischen auch bekannt, dass er einen durchaus abgründigen Charakter hat. Er wird als jähzornig beschrieben, und obwohl er angeblich nicht gewalttätig und mit seiner Frau glücklich verheiratet ist, machte er wohl »sexuelle Experimente in Fetischgruppen«, wie sein Biograf gegenüber der New York Post enthüllte. Andere berichten von eigenartigen Selbstaussagen, die zumindest auf ein übersteigertes Selbstwertgefühl hindeuten.

Diesen Charakterzug hat die dreißigjährige Kim Wall wohl als nicht so wichtig eingestuft, als sie Madsen um ein Interview bat. Wall war eine erfahrene Journalistin mit internationalen Kontakten; sie hatte schon Nordkorea bereist und plante gerade, nach China zu gehen, um dort eine Reportage zuverfassen. Es scheint, dass sie vorhatte, auch über Madsen zu berichten. Am 10. August 2017 bestieg sie daher mit ihm das Boot und fuhr hinaus aufs Wasser zwischen Dänemark und Schweden. Am nächsten Tag ging das U-Boot unter, doch Madsen konnte sich retten. Er berichtete zuerst, es habe Probleme mit den Ballasttanks gegeben, die er nicht mehr habe beherrschen können. Dann die verschiedenen Versionen mit seiner Besucherin.

Was mit Wall passiert ist, gibt der Öffentlichkeit noch Rätsel auf. Die Polizei ermittelt im Geheimen. Bekannt ist allerdings, dass Walls Kopf, Arme und Beine vom Rumpf abgetrennt wurden. Allein ihr unbekleideter Torso – eine DNA-Probe erbrachte Gewissheit über die Identität – wurde gefunden, und der war auch noch mit Gewichten beschwert, was ein klares Indiz dafür ist, dass er nicht gefunden werden sollte. Ist dem »charismatischen, enthusiastischen und inspirierenden« Mann mit der »komplexen Persönlichkeit« ein Mord zuzutrauen? Oder stimmt die Geschichte vom Unfall? »Es wäre dumm und blind, nicht daran zu zweifeln«, meint Madsens Halbbruder, der nicht schlecht über ihn reden will.

Irgendwann wird man erfahren, wie Madsens nächste Version von dem Vorfall lautet, denn der will reden, wie seine Anwältin sagt. Für den 5. September ist die nächste Anhörung vor Gericht anberaumt. Ob Madsens Geschichte dann in seiner endgültigen Fassung vorliegt, wird man sehen müssen. Die Polizei ermittelt inzwischen fieberhaft, das U-Boot wird systematisch durchsucht und analysiert. Wall kann nicht mehr reden. Es bleibt zu hoffen, dass man dennoch ein Bild davon bekommt, was in der Nacht vom 10. auf den 11. August 2017 vor der Küste Dänemarks an Bord der »UC 3 Nautilus« geschehen ist.

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