Das Telefonbuch 2017/18 ist da

Es ist eine Bemerkung wert, dass das neue Telefonbuch erschienen ist. Denn es scheint aus der Zeit gefallen zu sein. Die »digital natives« fragen lieber Google – und möchten die dicken Wälzer dennoch nicht missen.

Telefonbuch
Foto: Roland Lakis / flickr.com / CC BY 2.0

Wie sehr sich die Zeiten geändert haben, merkt man dieser Tage daran, dass das Telefonbuch 2017/18 beim Zeitschriftenhändler liegt. Kostenlos, jeder kann sein Exemplar mitnehmen. Telefonbuch? Allein dass die neueste Ausgabe des Telefonbuchs erscheint, ist für Jüngere eine Erwähnung wert. »Ich bin 23 Jahre alt«, bekennt Sophia Kräge, »und kenne niemanden in meinem Alter, der noch ein Telefonbuch aufschlägt, wenn er nach einer Nummer, einer Adresse, einem Namen oder einer Firma sucht.«

Kräge spricht damit aber nicht nur den 23-Jährigen aus der Seele, sondern allen, die den Sprung in die digitale Kommunikation mitgemacht haben. Sie wälzen keine Bücher mehr, sondern sie fragen Google, die allmächtige Suchmaschine, die auf alles eine Antwort zu haben scheint. Es ist in der Tat so: Man gibt bei Google einen Suchbegriff ein – oder zwei oder mehr, oder gleich einen ganzen Fragesatz –, und schon erhält man so gute Antworten, dass häufig das Hinunterscrollen zu den Suchergebnissen am Ende der Seite nicht mehr lohnt.

Auch die gesuchte Telefonnummer ist häufig unter den ersten Ergebnisanzeigen. Wozu braucht man da noch ein Telefonbuch? An dieser Stelle muss man die »digital natives« allerdings darauf aufmerksam machen, dass Google nur so gut ist wie die Daten, die irgendjemand ins Netz einspeist. Wenn die Jungen nicht mehr im Telefonbuch stehen oder ihre Nummer an anderer Stelle im Internet abgelegt haben, kann man ihre Nummer auch mit der besten Suchmaschine nicht mehr finden. Sie sind unsichtbar. Bedenken sie das eigentlich?

Egal – es kommt im Fall des Telefonbuchs darauf an zu erkennen, dass sich die Kommunikation grundlegend verändert hat. Ob diese Veränderung zum Guten oder zum Schlechten neigt, bleibt der Beurteilung jedes einzelnen überlassen. Interessant ist jedenfalls, dass »die Jugend«, zumindest unsere Autorin, eine Weiterexistenz des Telefonbuchs wünscht, denn »es erzählt etwas über die Telekommunikation in den letzten Jahrhunderten, es ist ein liebgewonnenes Relikt.« Oder aber sie verbindet es mit lieben Menschen, zum Beispiel mit ihrem Großvater, der mit ihr kleine Spielchen gespielt hat, die mit dem Telefonbuch zusammenhingen.

Alles, was man über das Telefonbuch sagen kann, ist richtig: Es ist im digitalen Zeitalter ein Relikt; es ist unhandlich; es ist hilfreich; es ist nostalgisch; es ist die Grundlage für zahllose Witze; es ist eine historische Quelle. Und es ist eine problematische Datensammlung. Ich zum Beispiel bin schon lange nicht mehr im Telefonbuch zu finden, weil ich irgendwann festgestellt habe, dass Freunde, die meine Nummer suchten, nie im Telefonbuch nachgeschlagen haben. Benutzt hatten das Telefonbuch nur Firmen, die mir irgendwas übers Telefon verkaufen wollten. Da habe ich mich mit meiner Festnetznummer austragen lassen.

Ein guter Witz übrigens, der eigentlich auf Studenten abzielt, der aber auf der Existenz des Telefonbuchs aufbaut, geht so: Ein Philosophie-, ein Jura- und ein Pharmaziestudent erhalten den Auftrag, das Telefonbuch auswendig zu lernen. Der Philosophiestudent fragt: »Warum?« Der Jurastudent fragt: »Bis wann?« Und der Pharmaziestudent sagt: »Habe ich schon!«

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