Zwei Radtouren am Rhein im Vergleich

Nach 30 Jahren hat Lisa Werner eine Radtour am Rhein wiederholt und auch die Selbstporträts von damals erneut gemacht. Das Ergebnis ist eine wunderbare, persönliche Reise in die Vergangenheit.

Vor 30 Jahren bracht die 27-jährige amerikanische Studentin Lisa Werner auf, um ihren Bruder und dessen Tochter auf einer Radtour am Rhein zu begleiten. Die Reise ging von der Schweiz bis nach Amsterdam, und Lisa machte Fotos – unter anderem 13 Fotos von sich selbst. (Man würde sie heute »Selfies« nennen.) Diese Fotos hat sie in diesem Jahr neu fotografiert und ins Internet gestellt.

Werner hat die Orte aufgesucht, an denen 1987 die Bilder entstanden sind, und genau den Ort eingenommen, an dem sie damals gestanden hat. Auch die Kamera war wieder am selben Fleck. In einem Fall – auf der Brücke in Heidelberg – hat Werner sogar Passanten gebeten, sich für das Fotos ungefährt so aufzubauen wie auf dem bistorischen Bild zu sehen, um die Szene so detailgetreu zu rekonstruieren.

Der Vergleich zwischen damals und heute ist gelungen. Auf manchen Fotos ist eigentlich keine Veränderung zu erkennen, wenn man von den frischeren Farben der neuen Fotos und der Fotografierten absieht, die natürlich ebenfalls um dreißig Jahre gealtert ist: Straßburg, Heidelberg, Mainz oder Köln sind Straßburg, Heidelberg, Mainz oder Köln geblieben. Verändert haben sich zum einen vor allem Details wie der Blumenschmuck am Brückengeländer oder der Baumwuchs am Rheinufer, zum andern natürlich die Kleidung der Passanten oder die Autos.

Für Werner war nicht nur die Reise damals eine tolle Erfahrung, sondern auch die Rekonstruktion der Bilder heute. Freude, Aufregung, Enttäuschung – alle Gefühle vermischten sich. »Aufregenderweise hatte ich überhaupt keine Probleme, mich an die Städte und Orte zu erinnern, an denen ich die Bilder gemacht hatte. Ich war traurig, als ich den letzten Ort in Köln gefunden hatte. Ich fühlte mich wie auf einer europäischen Ostereiersuche, und nun war der ganze Spaß vorbei. Ich war sehr enttäuscht über mich selbst, dass ich nicht mehr als diese dreizehn alten Fotos eingescannt hatte, bevor ich losfuhr.«

Es ist wohl kein Zufall, dass Werner die Fotografie zu ihrem Beruf gemacht hat. Sie arbeitet für die Agenturen Getty Images und Alamy Live News und hat, wie sie auf ihrer Homepage schreibt, mehr als 900 Fotos verkauft. Alle, die den Vergleich von Bildern von heute mit Bildern von damals lieben, sollte das aber nicht abschrecken, es Werner gleichzutun. Projekte wie diese erfordern zwar ein bisschen Vorbereitung, belohnen aber den, der es wagt, mit der wunderbaren Gefühlsmischung aus Freude, Stolz, Begeisterung und Melancholie.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.