Vor sechzig Jahren explodierte die erste Atombombe

Am 6. August 1945 fiel die erste Atombombe auf Hiroshima, wenige Tage später die zweite auf Nagasaki. Was folgte, war ein Rüstungswettlauf. Doch auch nach dem Ende des Kalten Krieges bleibt die Gefahr eines Atomkrieges bestehen.

Foto: Oilstreet / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Hiroshima ist auf den ersten Blick eine ganz normale, moderne Großstadt in Japan. Es gibt Industrie, Shopping-Malls, Parks und Museen. Man lebt hier genauso gut oder schlecht wie in anderen Städten und geht seinen Geschäften nach. Doch wer genauer hinsieht, bemerkt, dass es keine Gebäude gibt, die älter sind als sechzig Jahre und dass überall Hinweise auf das wichtigste Ereignis der Stadtgeschichte existieren: den Abwurf der ersten Atombombe am 6. August 1945.

An das grausame Ereignis erinnern heute der Friedenspark, das Friedensdenkmal und das Friedensmuseum. Das Friedensdenkmal ist vermutlich am bekanntesten: Es handelt sich um die Ruine der »Halle zur Förderung der Industrie der Präfektur Hiroshima«, die sich zwar in unmittelbarer Nähe der Explosion befand, aber nicht vollständig zerstört wurde. Unscheinbar hingegen ist eine Gedenktafel an einer Hauswand, die die Stelle der Explosion der Bombe in rund 600 Metern Höhe markiert.

Die Entscheidung zum Einsatz der Atombombe gegen Japan fiel kurz nach dem Ende erfolgreicher Tests. Der Krieg im Pazifik neigte sich zwar bereits dem Ende zu, da Japan Kapitulationsbereitschaft signalisiert hatte. Doch der Verbündete und Konkurrent der USA, Stalin, hatte Andeutungen gemacht, dass man ebenfalls über eine Atombombe verfüge. Schließlich gab Präsident Truman den Befehl zum Einsatz. Am 6. August setzte das Flugzeug »Enola Gay« die Bombe »Little Boy« über Hiroshima ab, am 9. August traf »Fat Man« die Stadt Nagasaki, das als Ausweichziel für die wegen schlechten Wetters nicht angegriffene Stadt Kokura diente.

Für die Menschen am Boden waren die Folgen des Abwurfs verheerend. Zehntausende kamen allein durch die Explosion ums Leben oder wurden schwer verletzt. Die Radioaktivität, die anschließend freigesetzt wurde, kostete weitere zehntausende in den folgenden Jahren das Leben. Für sie war die Frage, ob der grausame, von Japan geführte Krieg im Pazifik verkürzt werden konnte irrelevant. Sie mussten die Folgen von Entscheidungen erleiden, die tausende Kilometer weit entfernt getroffen worden waren.

Seit dem Abwurf der beiden Bomben auf Hiroshima und Nagasaki sind Atomwaffen nicht mehr gegen Menschen eingesetzt worden. Doch das hat weniger mit Vernunft, sondern mehr mit Glück zu tun. Seit 1945 rüsteten die USA und die Sowjetunion kontinuierlich auf und richteten ihre Raketen aufeinander, also auf den ehemaligen Verbündeten und nachherigen Gegner im Kalten Krieg. Frankreich, Großbritannien und China traten in den Kreis der Atommächte ein, später folgten Pakistan, Indien und Israel. Mehrfach stand die Welt am Rande eines Atomkrieges.

Das schreckliche Beispiel von Hiroshima und Nagasaki vor Augen, hat es an Versuchen nicht gemangelt, Atomwaffen international zu ächten. Schließlich ist der Einsatz von Waffen mit derartig verheerender Wirkung eigentlich nicht zu rechtfertigen. Auch das das Konzept des »Gleichgewichts des Schreckens«, das handlungsleitend im Kalten Krieg war, ist eigentlich nur eine Perversion menschlicher Logik. Doch die Lehre, die bis jetzt gezogen werden muss, ist allzu ernüchternd: Was der menschliche Geist zu erdenken und Ingenieurskunst zu verwirklichen in der Lage ist, wird auch umgesetzt. Nur die Hoffnung, dass man es dennoch verhindert, stirbt zuletzt.

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