In Madrid werden 52 Straßen umbenannt

52 Straßen in Spaniens Hauptstadt Madrid sollen umbenannt werden: Sie sollen nicht mehr an faschistische Generäle und andere Gefolgsleute Francos erinnern, sondern an republikanische Intellektuelle.

Foto: Daniel Lobo / flickr.com / CC BY 2.0 (Ausschnitt)

In Madrid zieht man dieser Tage eine Art Schlussstrich unter die Vergangenheit. Denn in diesem Sommer werden 52 Straßen und Plätze umbenannt, die die Namen von francistischen Generälen und anderen Gefolgsleuten tragen. Die Umbenennungen erfolgen einvernehmlich, jedenfalls gibt es keine Debatten darüber. Der Stadtrat hat die Aktion mit einer Zweidrittelmehrheit beschlossen, aber auch die konservative Volkspartei PP, die dagegen gestimmt hatte, wehrt sich nicht.

Die letzte nach Franco benannte Straße soll etwa nach Diego Torres Villarroel benannt werden, einem Schriftsteller aus dem 18. Jahrhundert. Anstelle des Generals Muñoz Grandes soll Marcelino Camacho geehrt werden, ein Gewerkschafter und Gegner Francos. Oder García Morato, ein Pilot aus der Bürgerkriegszeit, muss dem berühmten Fotografen Robert Capa Platz machen.

General Francisco Franco löste 1936 mit seinem Putsch den Bürgerkrieg aus, der bis 1939 dauerte. Sein Sieg über die Republik beendete zwar ein fürchterliches Gemetzel, bei dem beide Parteien auch aus dem Ausland unterstützt wurden, mündete aber in eine Diktatur, die kaum minder brutal war und bis 1975 andauerte. Erst nach Francos Tod gelang der Übergang zur Demokratie – ein Erfolg, der mit dem Beschweigen der francistischen Verbechen bezahlt wurde.

Die Überwindung des geschichtspolitischen Stillstandes gelang erst in den neunziger Jahren. Es wurden zahlreiche Massengräber geöffnet, in denen zigtausende von Opfern der Diktatur – so genannte Verschwundene – verscharrt worden waren. Allerdings war der Prozess schwierig und ist es bis heute, weil die Vergangenheit zu gegenwärtig ist, die Täter noch am Leben sind und den Opfern und ihre Nachkommen keine Gerechtigkeit widerfahren ist.

Im Kampf um symbolische Wiedergutmachung werden in Spanien immer wieder auch Gerichte bemüht. Beispielsweise versuchen Angehörige von Opfern gerichtlich zu erreichen, dass die Gebeine Francos und José Antonios, des Gründers der faschistischen Partei Falange, aus dem Mausoleum im »Tal der Gefallenen« entfernt werden. Hier befindet sich ein in einen Fels gehauenes Mausoleum, das dem Willen eines Klägers zufolge in eine Gedenkstätte umgewandelt werden soll: »Wir haben uns immer gefragt, warum genießen die dafür verantwortlichen Täter das Privileg, dort so exponiert bestattet zu sein, und die Opfer werden vergessen.«

Das Gedenken vor Gericht einzuklagen, ist nicht immer ein erfolgversprechender Weg. Und auch die Straßenumbenennungen in Madrid sind noch nicht vollzogen. Denn dort sind nun Klagen vor dem Verwaltungsgericht anhängig, mit denen mutmaßliche Franco-Anhänger das öffentliche Gedenken an die Diktatur in der Hauptstadt aufrechterhalten wollen. Beobachter vermuten jedoch, dass sich die Namensänderungen nur verzögern, aber nicht verhindern lassen.

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