Braunschweig: Bau eines Gedenkgartens verschoben

Einhellig war man sich in Braunschweig darüber einig, an ein Ereignis im Ersten Weltkrieg zu gedenken. Doch mit einer überraschenden Volte verzögert eine Bürgerinitiative die Umsetzung des Projekts.

»Feuertaufe des Braunschweigischen Infanterie-Regiment Nr. 92: Straßenkampf in Roselies«. Propagandabild aus Deutschland von 1914. Quelle: Wikimedia Commons / Gemeinfrei

Im Braunschweiger Stadtteil Lindenberg soll ein »Garten der Erinnerung« errichtet werden, mit dem an die Eroberung des belgischen Ortes Roselies durch deutsche Truppen 1914 gedacht werden soll. Allerdings verzögert sich die Umsetzung, weil zuerst ein Anwohner gegen das Projekt geklagt und die Klage wieder zurückgezogen hatte und nun die im Rat vertretene »Bürgerinitiative Braunschweig« (BIBS) beantragt hat, am 22. August erneut über das Projekt zu diskutieren.

Mit diesem Antrag hat die BIBS bei Kulturdezernentin Anja Hesse Verwunderung und Verärgerung ausgelöst, weil die BIBS ihren Angaben zufolge bisher über alles informiert gewesen sei und allem zugestimmt habe. Jedenfalls wird der Garten der Erinnerung nun wohl erst 2018 öffnen können. Vor den belgischen Freunden aus Aiseau-Presles, zu dem Roselies heute gehört, sieht Hesse die Stadt jedenfalls blamiert. Sie sagt: »Welches Bild wir dort abgeben, möchte ich mir nicht vorstellen.«

Errichtet wird der Garten von der Größe eines Einfamilienhausgrundstücks in einer Neubausiedlung, die in den letzten Jahren auf dem Gelände einer Kaserne entstanden ist, die 1938 von den Nazis nach dem belgischen Ort benannt worden war. Der Plan für den Gedenkort sieht ein schlichtes Arrangement vor: eine Trauerbuche, Natursteinblöcke, Beete und eine Gedenktafel.

Was es mit den Ereignissen in Roselies auf sich hat, ist unklar. Erst 2014 beantragte die BIBS, mehr darüber herauszufinden. Feststeht inzwischen, dass das braunschweigische Infanterieregiment 92 an der Schlacht von Roselies beteiligt war. Und Wikipedia ist zu entnehmen, dass 1923 in Belgien ein Bericht veröffentlicht wurde, in dem von Kriegsverbrechen durch deutsche Soldaten an der Zivilbevölkerung von Roselies die Rede ist. Der Historiker Ole Zimmermann urteilt, dass das »Gefecht von Roselies […] zweierlei Bedeutung für das Infanterieregiment 92 hat. Zum einen bleibt es das erste Gefecht dieses Regiments im Ersten Weltkrieg, zum anderen ist es untrennbar verbunden mit der Schuld, die die Soldaten auf sich und ihr Regiment luden.«

Der »Garten der Erinnerung« beschäftigt die Braunschweiger intensiv, jedenfalls wird ausführlich berichtet. Eigentlich scheint man sich einig zu sein, wenn da die BIBS mit ihrer unerwarteten Volte nicht wäre. Vielleicht ist auch sie überhaupt nicht gegen das Projekt. Sie versteht sich ausdrücklich nicht als Partei, sondern als Bewegung, und ihre Abgeordneten im Stadtrat wechseln regelmäßig. Vielleicht liegt hier die Ursache für das wenig geradlinige Verhalten.

Foto: Wikimedia Commons / Gemeinfrei

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.