Die Ausstellung »Spuren der Erinnerung« in Deutschland

Das Verschwindenlassen von Menschen ist ein wenig bekanntes, aber gravierendes Problem in verschiedenen Ländern. Der mexikansiche Künstler Alfredo López Casanova hat dazu eine Ausstellung erarbeitet.

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Foto: Luciana Souza / flickr.com / CC BY 2.0

Manchmal verschwinden Menschen einfach. Plötzlich sind sie weg, und wenn es gut geht, tauchen sie irgendwann einmal wieder auf. Öfters sind es Jugendliche, die es bei ihren Familien nicht mehr aushalten und abhauen. Zumindest hierzulande dürfte das der häufigste Fall des Verschwindens sein.

In anderen Ländern dieser Erde ist das anders. Hier verschwinden Menschen, weil sie vom Staat oder von kriminellen Organisationen entführt werden. Vor allem in Lateinamerika ist dieses Verbrechen weiter verbreitet als man sich das als Mitteleuropäer vorstellen kann. Allein in Mexiko gelten 32.000 Menschen als vermisst, doch die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen. Manchmal entdeckt man die Gräber von Verschwundenen, häufiger jedoch sind sie wie vom Erdboden verschluckt.

Als in Mexikos Hauptstadt Mexiko-Stadt am 10. Mai 2013 wieder einmal Angehörige von Verschwundenen öffentlich an den Skandal erinnerten, kam Alfredo López Casanova die Idee für ein neues Kunstprojekt: Er sammelte die Schuhe der Angehörigen und gravierte in ihre Sohlen die Botschaften der Besitzer ein. »Huellas de la Memoria – Spuren der Erinnerung« heißt die Ausstellung, die derzeit auch in Deutschland zu sehen ist.

In Berlin, wo die Ausstellung im Haus Schwarzenberg gezeigt wurde, waren die Besucher zum Teil sehr irritiert über die Aktualität des Themas. »Hier hat mich ganz besonders überrascht, dass die Praktiken, Leute verschwinden zu lassen, immer noch auch während demokratischer Strukturen, vorhanden sind, oder weiter durchgeführt werden«, sagte ein Lehrer, dem wie seinen Schüler das Ausmaß und die Gegenwärtigkeit des Problems nicht bewusst war.

Dabei ist das Thema Deutschen eigentlich nicht fremd. Nicht nur gilt manchen der »Nacht-und-Nebel-Erlass« Hitlers von 1941, der das Verschwindenlassen von Menschen in den besetzten Gebieten anordnete, als Beginn dieser Praxis; hier wird unverblümt gefordert, »die Angehörigen und die Bevölkerung über das Schicksal des Täters im Ungewissen [zu] halten.« Sondern auch Deutsche zählen zu den Opfern von Diktaturen in Lateinamerika: 1976 verschwanden in argentinischen Diktatur Máximo Ricardo Wettengel und Leonor Marx, 1977 Elisabeth Käsemann.

Im demokratischen Mexiko von heute ist die Ursache für das Verschwindenlassen häufig die Verbindung von Regierungsstellen und organisierter Kriminalität, erklärt López. Am Drogenhandel verdienen beiden Beteiligte viel Geld. Und eben deshalb bezweifelt er, dass sich an der Praxis des Verschwindenlassens in naher Zukunft etwas ändern wird. Aber mit seiner Ausstellung trägt er wenigstens seinen Teil dazu bei, dass das Thema weiterhin als Problem wahrgenommen wird und die Angehörigen der Opfer gestärkt werden.

Die Ausstellung ist noch bis zum 22. Juli 2017 im Haus Schwarzenberg in Berlin zu sehen. Vom 24. Juli bis 4. August 2017 gastiert sie im Tagescafé »Fenster zur Stadt«, Vordere Sterngasse 1, 90402 Nürnberg.

Foto: Luciana Souza / flickr.com / CC BY 2.0

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