China will Liu Xiaobo vergessen machen

Als Menschenrechtsaktivist war Liu Xiaobo dem chinesischen Regime immer unbequem. Nach seinem Tod soll er aus dem öffentlichen Gedächtnis getilgt werden. Aber das wird vermutlich nicht gelingen.

Bei der Verleihung des Friedensnobelpreises 2010 an Liu Xiaobo bleibt der Stuhl des inhaftierten Menschenrechtsaktivisten frei.
Foto: Wikimedia Commons / gemeinfrei

Einer der prominentesten Dissidenten Chinas ist tot. Liu Xiaobo starb am 13. Juli 61-jährig an Leberkrebs. Er war Schriftsteller und Menschenrechtsaktivist und der erste und bislang einzige Nobelpreisträger, der aus China stammt. Vor allem außerhalb seiner Heimat weiß man die Leistungen und Verdienste Xiaobos zu würdigen. In China jedoch versucht die Regierung, ihn aus dem öffentlichen Gedächtnis zu tilgen.

1989 beteiligte sich Xiaobo an den Studentenprotesten auf dem Platz des himmlischen Friedens in Peking, wo er sich durch sein besonnenes Verhalten auszeichnete. Das Massaker, das die Regierung hier veranstaltete, konnte er nicht verhindern. Immer wieder setzte er sich in der Folge für Demokratie und Menschenrechte ein, wofür er mehrfach zu langjährigen Haftstrafen verurteilt wurde.

2010 erhielt der inhaftierte Xiaobo den Friedensnobelpreis, und bei der Preisverleihung blieb sein Stuhl frei. Die chinesische Regierung protestierte in Oslo vergeblich. Denn da war Xiaobo bereits eine international respektierte Persönlichkeit, für dessen Freilassung man sich nicht nur in Europa einsetzte. Das Regime in Peking scherte sich darum jedoch wenig, setzte vielmehr auch Xiaobos Frau unter Druck, die offiziell gar nicht verurteilt worden war.

Dass der Dissident kürzlich aus dem Gefängnis in ein Krankenhaus verlegt worden war, nutzte ihm nichts mehr: Die Krankheit war bereits zu weit fortgeschritten. Doch nun legt das Regime nach: Ganz offensichtlich versucht man, jede Erinnerung an ihn zu unterdrücken. Jedenfalls wird das Internet in China zensiert, so dass man über Suchmaschinen seinen Namen nicht mehr findet. Und dann wurde sein Leichnam eingeäschert und die Asche entgegen der Gebräuche nicht beigesetzt, sondern über dem Meer verstreut.

Xiaobos Namen aus dem Gedächtnis zu tilgen, wird nicht gelingen. In Hongkong gingen tausende Demonstranten zu seinem Gedächtnis auf die Straße. Auch die Ehrung mit dem Friedensnobelpreis und nicht zuletzt sein schriftstellerisches Werk wird dazu beitragen, dass er nicht vergessen wird.

Foto: Wikimedia Commons / gemeinfrei

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