Erbprinz Ernst August von Hannover heiratet – im privaten Rahmen

Adelshochzeiten stoßen auf großes öffentliches Interesse. Doch Erbprinz Ernst August zieht eine geschlossene Veranstaltung vor. Was fasziniert heute noch an derartigen Ereignissen?

Schloss Marienburg in Niedersachsen. Foto: Michael Gäbler / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Welfenprinz Ernst August von Hannover heiratet am Wochenende seine Ekaterina Malysheva, doch das geschieht im privaten Rahmen – die Öffentlichkeit muss außen vor bleiben. Das ist eine Enttäuschung für viele Liebhaber des europäischen Hochadels und ihrer Geschichten. Zugleich bietet die Verweigerung des Paars, die eigentlich verständlich ist, Gelegenheit zu fragen, warum auch in der Demokratie das Interesse am Adel ungebrochen ist.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil gehört zu den rund 400 geladenen Gästen. Er erklärt das anhaltende Interesse zum einen mit der »kollektive[n] Erinnerung an eine über Jahrhunderte währende Adelsherrschaft«, die auch heute noch wirksam sei. Wenn ein König geheiratet habe, sei das nie nur eine private Angelegenheit gewesen, sondern ein Akt von öffentlicher, staatspolitischer Relevanz.

Davon will Weil allerdings bei der Hochzeit des Welfenprinzen nichts mehr erkennen. Für ihn sei der private Aspekt wichtiger. Bedeutung misst er dem Ereignis vor allem als Erinnerung an die unauflösliche historische Bindung der Welfen an die Stadt Hannover und das Land Niedersachsen bei und ruft eine alte Volksweisheit in Erinnerung: »Wer nicht weiß, wo er herkommt, kann auch nicht wissen, wo er hinwill.«

Wenn der Prinz nun also heiratet, spielt der politische Aspekt für Weil nur noch eine geringe Rolle, der kulturelle aber eine umso größere. Der Prinz, der in London lebt, wo er im Finanzsektor arbeitet, »hat sich in den letzten Jahren erkennbar sehr darum bemüht, die Verbundenheit zur niedersächsischen Heimat immer wieder zu unterstreichen«, meint Weil. »Das ist sehr gut angekommen und erklärt vielleicht auch, warum viele Menschen an seiner Hochzeit jetzt Anteil nehmen.«

Foto: Michael Gäbler / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

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