Ein »vergessenes« Konzentrationslager soll in die Erinnerung zurück

Eine Lehrerin kämpft dafür, dass im »vergessenen« Konzentrationslager in Sachsenburg bei Chemnitz (1933-1937) eine Gedenkstätte eingerichtet wird.

Konzentrationslager Sachsenburg
Foto: Stefan Kühn / Wikimedia Commons / CC0 1.0

Als die Nazis 1933 in Deutschland an die Macht gelangten, war vom Holocaust noch nicht die Rede. Zunächst ging es ihnen »nur« um die Bekämpfung ihrer politischen Gegner, vor allem von Sozialdemokraten, Kommunisten und Christen. Sie richteten unverzüglich Konzentrationslager ein, in denen sie sie gefangenhielten, quälten und zum Teil auch ermordeten. Diese Konzentrationslager entstanden in allen Teilen des Deutschen Reiches, und sie sind heute so gut wie vergessen.

Eines dieser frühen Konzentrationslager befand sich auf dem Gelände einer Spinnerei im sächsischen Sachsenburg bei Chemnitz. Zwischen 1933 und 1937 zeitweilig 1.400 Menschen gefangen gehalten, 20 Todesopfer sind belegt. Die Häftlinge wurden von SA- und SS-Männern gedemütigt und misshandelt und wurden zu harter Arbeit gezwungen. Die Geschichtslehrerin Anna Schüller möchte die Erinnerung an diese dunkle Zeit erhalten und das inzwischen verlassene Gelände zu einem Gedenkort machen.

Als die DDR noch existierte, gab es eine Ausstellung, die an die Grausamkeiten erinnerte. Sie existiert allerdings inzwischen nicht mehr. Auf dem Gelände erinnert noch ein Mahnmal mit der Inschrift »Und setzt ihr nicht das Leben ein – nie wird euch das Leben gewonnen sein« an die Verbrechen. Der Eigentümer des Geländes hat keine Bedenken gegen die Pläne Schüllers, die zusammen mit Schülern die Geschichte des Lagers erarbeitet. Auch die Landesregierung lässt eine Dokumentation der »vergessenen« Konzentrationslager erarbeiten.

Dass die Erinnerung verblasst, machen die Bezeichnungen deutlich, die das Gelände von Anwohnern erhält. Da ist von »Gefängnis«, »Schutzhaftlager« oder »Fabrik« die Rede – es ist also Bedarf vorhanden, den wirklichen Charakter des Ortes wieder bekannt zu machen. Die Opfer sind wohl inzwischen alle verstorben, aber ihre Nachkommen leben noch und können berichten, was die Gefangenen erleiden mussten. Jetzt ist es Aufgabe der Politik, den Impuls von Anna Schüller aufzunehmen und weiterzuführen.

Foto: Stefan Kühn / Wikimedia Commons / CC0 1.0

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