Gedenkort Güterbahnhof Moabit in Berlin eingeweiht

Vom Güterbahnhof Moabit in Berlin wurden 30.000 Juden in Ghettos und Konzentrationslager deportiert – unter den Augen der Bevölkerung. Ein neuer Gedenkort erinnert an diesen Teil des Holocaust.

Am 16. Juni 2017 ist in Berlin der Gedenkort Güterbahnhof Moabit eingeweiht worden. Er erinnert daran, dass von dieser Stelle während des Zweiten Weltkriegs über 30.000 Berliner Juden in Ghettos und Konzentrationslager deportiert wurden. Der Güterbahnhof Moabit – und nicht der Bahnhof Grunewald – war, wie neuere Forschungen ergeben haben, der Ort in Berlin, von dem aus die meisten Menschen nach Theresienstadt, Auschwitz und andere Ziele im europäischen Ausland verschleppt wurden.

In den vergangenen Jahren war dieser Umstand nicht bekannt, weshalb die Stadtplanung darauf keine Rücksicht genommen hat. Am Gedenkort zu sehen ist nurmehr ein gepflasterter Weg zu den Überresten eines Gleises mit Verladerampe; ein Kiefernhain wurde gepflanzt. Der Ort ist gerahmt von einer Wohnstraße am einen Ende des Weges, einer Durchgangsstraße am anderen sowie von einem Parkplatz eines Supermarktes und eines Baumarktes. Erst durch die jahrelangenen Bemühungen des Bezirks, der Senatsverwaltung für Kultur, der Stiftung Topographie des Terrors und verschiedener Einzelpersonen konnte der Gedenktort errichtet werden.

Das Konzept wurde vom Künstlerkollektiv »raumlaborberlin« entwickelt, das die Ausschreibung gewonnen hatte. »Als deplaziertes Fragment eines Kiefernwaldes in diesem unwirtlichen Kontext, entsteht eine Verbindung zur Landschaft. Genau wie das Fragment des Gleises 69 eine Verbindung zu den Orten der Ausgrenzung und Vernichtung herstellt, die heute noch als authentische Orte existieren«, teilten die Künstler erklärend mit. Die Einrichtung des Gedenkortes kostete 150.000 Euro, die von der Stiftung Deutsche Klassenlotterie kamen. An den Zugängen wurden Informationstafeln angebracht.

Der neue Gedenkort macht in seiner markanten, aber unaufdringlichen Art aufs Neue deutlich, dass sich die Vorbereitungen zum Holocaust inmitten der Gesellschaft abspielten. Denn um zum Deportationsort zu gelangen, mussten die Opfer von den Sammelstellen (PDF) – Synagogen oder Einrichtungen der jüdischen Gemeinde – durch dichtbesiedelte Wohngebieten laufen – niemand konnte sie übersehen. Wie die Künstler vom »raumlaborberlin« sagen, bleibt nichts anderes übrig, als »diesen Ort in seiner heutigen Absurdität zu akzeptieren«. Der Zivilisationsbruch ist Teil der deutschen Geschichte.

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