Ulrike Poppe geht in den Ruhestand

Die Beauftragte des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur verabschiedet sich in den Ruhestand. Jetzt will sie sich verstärkt um die eigene Familiengeschichte kümmern.

Foto: LAkD/Ulrike Poppe / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0 (Ausschnitt)

Wenn Ulrike Poppe jetzt in den Ruhestand geht, kann sie auf ein ereignisreiches Leben zurückblicken. 1973 brach sie ihr Studium der Kunsterziehung und Geschichte an der (Ost-)Berliner Humboldt-Universität ab und arbeitete kurzzeitig in einem Kinderheim und in einer psychiatrischen Einrichtung. Sie gründete unter anderem mit Bärbel Bohley einen Kinderladen, der nach zwei Jahren von der Stasi gewaltsam geschlossen wurde, und wurde für sechs Wochen inhaftiert. »Frauen für den Frieden« hieß die Organisation, in der sie sich engagierte und deshalb vom DDR-Geheimdienst bedrängt wurde. Anfang 1989 erhielt sie das Angebot, nach England auszureisen – doch sie blieb und erlebte im Herbst die „Wende“ und dann die Wiedervereinigung Deutschlands. Zuletzt war sie die Beauftragte des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur.

Poppes Elternhaus befand sich in Hohen Neuendorf, ganz nah an der Grenze zu West-Berlin. »Als Kind erfuhr ich in meinem Dorf von Fluchtgeschichten und Verhaftungen«, erzählt sie in einem Interview. »Ich hörte von unserem Haus aus die Schüsse und das Hundegebell an der Grenze.« Auch ihre ersten beruflichen Erfahrungen waren verstörend: Im Kinderheim war es wie »im Knast. Die Fenster hatten Gitter. Die Kinder mussten sich ausziehen, durften keinen eigenen Gegenstand behalten, bekamen Anstaltskleidung. Das Reglement war militärisch: Morgens der Größe nach anstellen, Meldung machen.« Der Unterschied zur Summerhill-Pädagogik, die sie schätzte, war immens.

Als sie sich beruflich um die Aufarbeitung des DDR-Unrechts kümmerte, richtete Poppe eine Anlaufstelle für ehemalige Heimkinder ein, also für durch die seelischen Misshandlungen schwer traumatisierte Menschen. Für die, erklärt sie, hatte sich jahrelang niemand interessiert, weder in Wissenschaft noch in Politik. Für sie und andere Opfer ist das Leiden allerdings noch lange nicht beendet – und der Amtsschimmel macht es ihnen schwer, eine Entschädigung zu erhalten. Die Aufarbeitung des DDR-Unrechts ist für Poppe auch 25 Jahre nach dem Ende der DDR nicht beendet. Sie sagt: »Diktatur ist ja nicht nur ein Vergangenheitsthema. Wir müssen uns immer wieder fragen, wie wir die Demokratie lebendig halten und schützen können.«

In ihrer Freizeit, von der sie nun mehr haben wird, will sie sich allerdings erst einmal um die Geschichte der eigenen Familie kümmern. »Meine Großväter haben beide viel geschrieben, ich habe Tagebücher aus dem Ersten Weltkrieg, der Weimarer Republik und der Nazizeit. Das alles zu sortieren ist eins meiner Projekte«.

Foto: LAkD/Ulrike Poppe / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0 (Ausschnitt)

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