Gescheitert an den eigenen Ansprüchen

Amy Winehouse ist tot

Foto: Rama / Wikimedia Commons / CC BY-SA 2.0 (Ausschnitt)

Wer sich auch nur am Rande für Popmusik interessiert, hat mitbekommen, dass Amy Winehouse letzte Woche in ihrem Londoner Haus gestorben ist. Sie wurde gerade einmal 27 Jahre alt. Woran sie gestorben ist, steht noch nicht mit Sicherheit fest, weil das Ergebnis der toxikologischen Untersuchung erst in ein paar Wochen vorliegen wird. Aber eigentlich weiß man es ohnehin: Es waren die Drogen – legale und illegale -, die ihren Körper zugrunde gerichtet haben.

Dass Winehouse viel »zu früh« verstarb, weil sie so wunderbare Musik machte, dürfte unbestritten sein. Sie war nicht sie erste – es gibt sogar einen »Klub 27«, zu dem Popmusiker gezählt werden, die in diesem Alter verstarben. Ihm gehören so berühmte Namen wie Brian Jones (Rolling Stones), Jimi Hendrix, Janis Joplin, Jim Morrison (The Doors) und Kurt Cobain (Nirvana) an. Man muss schon sagen: Die schlechtesten Musiker waren das nicht. Wikipedia zufolge gibt es weitere, aber weniger bekannte Musiker, die im selben Lebensjahr ihr Schicksal ereilte.

Winehouse war die Tochter eines Taxifahrers und einer Apothekerin, die sich bereits in Amys Kindertagen getrennt haben. Ihr Vater liebte den Jazz und gab, wie es scheint, diese Liebe an seine Tochter weiter. Auch die Großmutter förderte ihr musikalisches Talent. 2003 erschien ihr erstes Album (»Frank«), 2006 das zweite (»Back to Black«), das von der Kritik hochgelobt wurde und viele Preise einheimste. Das dritte war wohl gerade in Arbeit, jedenfalls sind nach »Back to Black« bereits mehrere neue Songs veröffentlicht worden.

Anders als bei musikalischen Wunderkindern wie Michael Jackson spielten die Eltern ganz offensichtlich zumindest keine negative Rolle. Davon dass sie ihre Tochter unter Druck setzten, wird nichts beichtet. Der Vater hinterlässt sogar einen guten Eindruck, weil er Amys Karriere neidlos unterstützte. Es wird berichtet, dass er sich bereits seit einiger Zeit öffentlich Sorgen um die Gesundheit seiner Tochter machte und dass er genau wusste, dass seine bescheidenen musikalischen Erfolge nur zustandekommen konnten, weil der Name Winehouse ihm Türen öffnete.

An was die »weiße Soulstimme« nun genau zugrunde ging, das weiß keiner. Wenn man sich Bilder von ihr ansieht, hat man den Eindruck, dass sie auf eine bestimmte Art sehr willensstark und ernsthaft war. Irgendwo war außerdem zu lesen, dass sie hohe Maßstäbe an sich selbst stellte. War das die Basis für ihre zerstörerische Lebensführung? Der Oberkörper war übersät mit Tattoos, sie war am Ende abgemagert bis auf die Knochen, von den Ausfällen auf der Bühne und dem abgesagten Konzerten in Belgrad und anderswo berichteten die Zeitungen. Das Scheitern an den eigenen Ansprüchen erzeugte Aggressionen, die sie gegen sich selbst richtete.

Wahrscheinlich kommen jeden Tag Dutzende junger Menschen auf dieselbe Weise zu Tode wie Winehouse. Wahrscheinlich sehen sie ebenfalls die Lücke zwischen ihrem Anspruch an sich selbst und den beschränkten eigenen Fähigkeiten. Dass die von Außenstehenden für ganz und gar nicht gering eingeschätzt werden, ist dabei gleichgültig. Wer Drogen nimmt, um das Leben besser zu ertragen, und dann drogensüchtig wird, kreist um sich selbst. Amy Winehouse unterscheidet sich von ihnen durch ihr künstlerisches Schaffen. Aber ihr ist es nicht gelungen, die Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit zu bewaältigen.

Foto: Rama / Wikimedia Commons / CC BY-SA 2.0 (Ausschnitt)